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3. Februar 2009, 12:59
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"Lieber Bruder Präsident" - US-Autorin Alice Walker wird 65
Gewann 1983 als erste Afroamerikanerin den Pulitzer-Preis - Erfolgsroman "Die Farbe Lila" wurde verfilmt - Geburtstag am 9.2. (Von Gisela Ostwald/dpa)
New York (dpa) - Alice Walker, Schriftstellerin und prominente Figur der amerikanischen Bürgerrechts- und Frauenbewegung, erteilt gerne Ratschläge. Barack Obama legte sie vor seinem Amtsantritt ans Herz, sich als US-Präsident nur ja nicht aufzureiben. "Wir erleben immer wieder, dass Männer im Weißen Haus saft- und kraftlos werden", schrieb sie in einem offenen Brief an "Dear Brother President" und fügte warnend hinzu: "So kann man doch kein Land führen". Walker hatte 1983 als erste Afroamerikanerin den Pulitzer-Preis gewonnen, Amerikas höchste Ehre für einen Literaten. Ihr Erfolgsroman "Die Farbe Lila" wurde drei Jahre später verfilmt. Am kommenden Montag (9. Februar) feiert sie ihren 65. Geburtstag.

Walker stammt aus der Welt, die sie in ihren ersten Romanen beschreibt. Sie hat Armut, Rassendiskriminierung, Gewalt und die Anfeindung von Mädchen und Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft des amerikanischen Südens am eigenen Leib erfahren. 1944 in Georgia als achtes Kind eines schwarzen Kleinpächters geboren, erlebt sie als Mädchen nur wenige relativ unbeschwerte Jahre. Dann verändert ein Unfall ihr Leben schlagartig: Ein Geschoß aus dem Sportgewehr eines älteren Bruders raubt ihr die Sehkraft eines Auges. Sie glaubt, durch die Wunde furchtbar entstellt zu sein. "Sechs Jahre lang habe ich keinen Menschen angesehen, weil ich den Kopf gesenkt hielt", bekennt sie später.

Aus Angst vor Hänseleien vergräbt sich die Achtjährige in Büchern und beginnt, selbst zu schreiben. Evelyn C. White formuliert es in ihrer Biografie "Alice Walker. A Life" 2004 so: "Fortan hatte sie (Alice) ein Auge auf die Außenwelt und eins nach innen gerichtet." Mit 14 Jahren schenkt ihr eine Operation, die das Aussehen weitgehend wiederherstellt, das Selbstvertrauen zurück. Walker schließt als Beste ihres Jahrgangs die High School ab und bekommt durch ein Stipendium den Weg ins College geebnet.

Noch während des Studiums veröffentlicht sie den ersten Gedichtband, heiratet einen weißen jüdischen Anwalt und engagiert sich im Kampf der Schwarzen um ihre Rechte. Mit 25, drei Tage vor der Geburt ihrer Tochter, setzt sie den Schlusspunkt unter ihren ersten Roman, "The Third Life of Grange Copeland" (1988 auch auf Deutsch: "Das dritte Leben des Grange Copeland"). Er stellt einen Schwarzen vor, der vom Alter, den Lebensbedingungen und der Umgebung her Walkers Vater verkörpern könnte: Seiner Frustration über Armut und Unterdrückung verschafft er in blinder Gewalt gegen die eigene Familie Luft. Nach dem Selbstmord der Frau flieht er nach New York und kehrt persönlich sowie politisch gereift schließlich in den Süden zurück, um die Erziehung einer Enkelin zu übernehmen.

Der Durchbruch zur Autorin mit Weltruhm gelingt Walker zwölf Jahre später mit "The Color Purple" (Die Farbe Lila). Darin wird die Protagonistin Celia als Kind von ihrem Stiefvater missbraucht, als junge Frau zur Heirat mit einem ungeliebten Mann gezwungen und von diesem als Arbeitstier ausgebeutet. Erst von der Geliebten ihres Mannes lernt Celia, gegen die Dominanz und Brutalität der Männer in ihrem Leben aufzubegehren. Steven Spielberg drehte nach dem Roman seinen gleichnamigen Film mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle. Derweil bezog Walker verbale Prügel aus den eigenen Reihen. Sie verbreite negative Stereotypen vom schwarzen Mann, lautete die Kritik. Einige riefen zum Boykott gegen das Buch und dessen Verfilmung auf.

Kritik von allen Seiten hat Walker für ihre letzten Werke geerntet, darunter "Sie hüten das Geheimnis des Glücks" (1993) und "Das Lächeln der Vergebung" (1999). Dem ersten stellt sie folgenden Satz voran: "Ich widme dieses Buch mit Zärtlichkeit und Respekt der Vulva in ihrer Vollkommenheit". Das zweite Werk fällt wegen seiner Schwarz-Weiß-Malerei und des missionarischen Tons durch. Whites Biografie schließt "schonend" mit Walkers 50. Lebensjahr.

Vor kurzem hieb dafür Tochter Rebecca auf die Mutter ein, die mit ihrem "fanatischen Feminismus" unfähig gewesen sei, dem eigenen Kind Liebe und Zuwendung zu schenken. Und Walker selbst setzt sich mit ihren Ratschlägen an alle Welt, darunter an den "Bruder Präsident", dem Spott nicht nur ihrer Kritiker aus.

 

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