Die Beziehungskiste

3. Februar 2009, 17:50
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Der Super-G geht heute mit Hermann Maier, Klaus Kröll, Michael Walchhofer und Benjamin Raich über die Piste

"Val d'Isère - "Val d'Isère ist sicherlich immer interessant. Vor allem, wenn man sich die Vergangenheit anschaut. Was die Zukunft bringt, wird man sehen." Hermann Maier hat hier schon einige Geschichten geliefert. Zwar nicht auf der WM-Strecke Face de Bellevarde, wo sich Patrick Ortlieb 1992 Olympiagold nahm, sondern ein Stückerl Richtung Talausgang in La Daille, wo die Weltcuprennen abgewickelt wurden. Das erste Stück führte er am 14. Dezember 1997 auf.

Maier, der vor nicht allzu langer Zeit ziemlich eindrucksvoll die Skizszene betreten hatte, schaffte Bestzeit im Riesentorlauf. Frohlockend schnallte er nach der Zieldurchfahrt seine damaligen Atomic-Skier ab und winkte damit in die Kameras, wie das Sieger zu tun pflegen. Es schien sich um seinen vierten Weltcupsieg zu handeln. Doch Maier schnallte vor der roten Linie ab, und das darf man nicht. Die Schweizer protestierten, Maier wurde disqualifiziert, Michael von Grünigen erbte den Sieg.

"Sportlich hab ich gewonnen" , sagte und sagt Maier, und seither führt er seine eigene Siegstatistik. 54-mal hat er mittlerweile laut FIS gewonnen, 55-mal laut Maier. Die FIS änderte daraufhin die Regel. Ein derartiges Vergehen wird seit damals mit einer Geldstrafe geahndet. Im Jahr darauf gewann er ganz normal, also mit großem Vorsprung, den Super-G, im Dezember 2000 siegte er in der Abfahrt und im Riesenslalom.

Ein paar Tage später wurde in Val d'Isère ein Ersatzrennen abgehalten, ein Riesenslalom. Hermann Maier, damals bekannt für seine ausführlichen Besichtigungen, überzog die vorgeschriebene Zeit um ein paar Sekunden. FIS-Renndirektor Günter Hujara schloss ihn vom Rennen aus. Worauf sich Maier kurz vor dem Rennstart wutentbrannt die Strecke im Renntempo gab. Die Pistenarbeiter kamen mit dem Schrecken davon. Er wurde wegen Gefährdung zu einer Geldstrafe von 25.000 Schweizer Franken verurteilt, die seine Skifirma übernahm. Sogar über eine Sperre für die folgenden Rennen wurde diskutiert, aber sie wurde nicht ausgesprochen.

Im Vorjahr, bei der WM-Generalprobe auf der Face de Bellevarde, die nur aus zwei Trainings bestand, da die Abfahrt wetterbedingt abgesagt werden musste, stürzte Maier in der zweiten Übung. Vorschriftswidrig fuhr er weiter. Rutschkommandos, die nach jedem Läufer die Arbeit aufnehmen, nahmen die nach dem naturgemäß mit Verspätung daherbrausenden Maier auf. Doch der Italiener Peter Fill kam schon daher und konnte gerade noch bremsen. Maier wurde verwarnt und entschuldigte sich in der Mannschaftsführersitzung bei Fill und den Pistenarbeitern. "Ich bin froh, dass bei diesem menschlichen Fehler nichts passiert ist."
In den heutigen Super-G startet Maier, der aus Garmisch eine Trainingsbestzeit und eine Verkühlung mitgebracht hat, als diesbezüglicher Weltcup-Führender. "Als solcher ist man natürlich Favorit" , sagt er, in dieser Übung Olympiasieger 1998 und Weltmeister 1999. "Aber der Favoritenkreis ist groß. Natürlich zählt unser gesamtes österreichisches Team dazu."

Also Klaus Kröll, der in Kitzbühel sein erstes Weltcuprennen und den letzten Super-G vor der WM gewann, Michael Walchhofer und Benjamin Raich. Kröll, seit drei Wochen mit drei gebrochenen Handwurzelknochen unterwegs, ist wie seine Kollegen zuversichtlich. "Der Gips hat nur noch Schutzfunktion, es wächst schon zusammen." Im Rennen und beim Speisen trägt er, wie schon in Kitzbühel, eine Schiene.

Und als Maier gefragt wurde, ob er im Goldfall, also nach einem Höhepunkt, aufhören werde, antwortete er: "Ich hoffe schon, dass in meinem Leben noch größere Höhepunkte daherkommen." (Benno Zelsacher aus Val d'Isère - DER STANDARD PRINTAUSGABE 4.2. 2009)

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    Die Ski sind geschultert, es kann los gehen.

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