Gerangel um Energieforschung

2. Februar 2009, 18:13
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In Wien und Graz sollen internationale Zentren angesiedelt werden

Wien/Graz - Österreichs Energieausrichtung ist zwar in hohem Maße fossil. Dennoch buhlt man in erster Reihe, wenn es um die Ansiedelung von internationalen Forschungsinstitutionen für neue Energien geht. Zwei solche Projekte sollen noch heuer entschieden werden; in beiden Fällen rechnet sich Österreich gute Chancen aus:

  • Schon im Sommer soll entschieden werden, wo die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (Irena) ihren Sitz haben wird. Die Institution ist am Anfang mit 50 Leuten und einem Budget von 25 Millionen Euro konzipiert.

Irena wurde von Deutschland initiiert, vor allem vom SP-Politiker Hermann Scheer, der für sein Engagement bei Solarenergie sogar den alternativen Nobelpreis bekam. Deutschland, das sich neben Österreich, Dänemark und den Vereinigten Arabischen Emiraten beworben hat, wird wegen Scheer gute Chancen eingeräumt. Auch die Tatsache, dass in Bonn die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) beheimatet ist, soll die deutsche Bewerbung stützen, weil die UN-Organisation gegen den Klimawandel ähnliches Know-how und eine fast idente Zielsetzung hat.

Wien hat ähnliche Argumente: "Wir sind bereits UN-Standort", erklärt der zuständige Botschafter im Außenamt, Ernst-Peter Brezovszky. Zudem sind mit Atomenergiebehörde und der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) zwei mächtige Energie-Institutionen bereits in der Stadt.

Die Stadt Wien hat mit dem Bund ein Paket geschnürt, und bietet Irena ein bezugsfertig eingerichtetes Stockwerk im Adromeda Tower in der Donau City und die Übernahme der Miete. Die leitenden Mitarbeiter bekämen diplomatischen Status. Die Kosten werden mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag angegeben.

  • Auch Graz, und zwar die Technische Universität (TU), bewirbt sich um einen "Europastandort für Energiekompetenz". Bekanntlich wurde im Vorjahr Budapest als Standort für das European Institute of Innovation and Technology (EIT) ausgewählt, einer Institution, die ähnlich der renommierten US-Forschungs- und Lehrinstitution MIT (Massachusetts Institute of Technology) konzipiert ist. Nun ist geplant, dass Budapest als eine Art "Host" dient, Forschung und Lehre in rund zehn Zentren quer durch die EU durchgeführt werden.
Für das Zentrum für Energiefragen hat sich nun Graz beworben. Allerdings nicht allein: Eine Reihe renommierter Institutionen (TU München, Uni Karlsruhe, französische Bildungseinrichtungen, Cambridge in England) kämen ebenfalls gern zum Zug. Die Vergabe soll noch 2009 erfolgen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)
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