Schimpfen Sie nicht auf die "Ökoprämie"!

2. Februar 2009, 18:30
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Warum die die Einführung einer Öko- vulgo Verschrottungsprämie sowohl wirtschafts- als auch umweltpolitisch durchaus Sinn macht - Von Lydia Ninz

Zwölf Milliarden Euro haben die Autofahrer und Autofahrerinnen im Vorjahr in Summe an den Staat abgeliefert an Mineralölsteuer, Normverbrauchsabgabe (NoVA), motorbezogene Versicherungssteuer, Vignetten und sonstige Mauten usw., usw.

Allein die jüngste Reform der NoVA im Juli 2008 hat dem Finanzminister zusätzlich 21,6 Millionen Euro (NoVA, plus Umsatzsteuer) in die Kassa gespült - trotz rückläufiger Autokäufe. Für die Ökoprämie stellt der Bund nun 22,5 Millionen Euro zur Verfügung - fast genauso viel wie die Mehreinnahmen ausmachten. Damit ist klar: Nicht die Allgemeinheit der Steuerzahler kommt für die Ökoprämie auf, sondern die steuerzahlenden Autokäufer selbst!

Lieber Prämien ...

Mit der Ökoprämie ist es wie beim Bausparen: Man kriegt sie nur, wenn man die Voraussetzungen erfüllt. Interessant ist die Prämie für alle, deren sehr altes Auto weniger Wert ist als 1500 Euro. Wer also seinen alten "Herbie" so lange ausfahren muss, gehört sicherlich nicht zu den Reichen oder Besserverdienenden, sondern tut sich eher schwer, zu einem Auto zu kommen. Mit 1500 Euro tut man sich jedenfalls etwas leichter, ein neues Auto zu kaufen, als ohne.

Hinzu kommen aber noch zwei wichtige Umstände, die den Autokauf auch für weniger Betuchte momentan attraktiv machen: Da wegen der drastisch eingebrochenen Nachfrage viele Autos auf Halde stehen, bieten die Händler noch nie da gewesene, sensationelle Rabatte. Und: für einen CO2-armen Kleinwagen muss man kaum mehr Normverbrauchsabgabe zahlen. Es ist die Summe dieser drei Faktoren - Ökoprämie, Rabatte, niedrige NoVA -, die einen Wechsel von alt auf neu attraktiv macht.

Die Angst, dass die Autohändler nun versuchen werden, die Rabatte zu senken, ist nicht unberechtigt. Da wir zum Glück genug Autohändler in Österreich haben, liegt es an den Autokäufern selbst, die Preise und Konditionen zu vergleichen - auch übers Internet - und kräftig zu feilschen. Welcher Händler das Rennen macht, ist egal: Denn die Ökoprämie, die das Finanzamt danach überweist, ist überall dieselbe.

Dass ein neues Fahrzeug mehr Schutz bei Unfällen bietet, steht außer Streit. Nun zur Umwelt: Dass die neuen strengere Grenzwerte haben müssen als die alten, ist gesetzlich geregelt. Ein Diesel-Pkw der Euroklasse 0 darf 104-mal so viel Schadstoffe ausstoßen wie einer der Euroklasse 4. Dass ein Neufahrzeug viel weniger Sprit braucht und daher viel weniger CO2 produziert, ist leicht belegbar: Schluckte ein neuer Benziner Mitte der 90er-Jahre noch 9,2 Liter Sprit pro 100 Kilometer (Flottenverbrauch), braucht ein neuer nur mehr 6,8 Liter, also um 25 Prozent weniger! Dass die eingetauschten Autos nicht vernichtet, sondern zu 85 Prozent wiederverwertet werden müssen, ist ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben.

... als Strafen

Was ein wenig verwundert: Viele, die jetzt auf die Ökoprämie schimpfen, wollen diese schadstoffreicheren Altautos ja auch von der Straße weghaben, nur mit viel drastischeren Methoden: Mit Fahrverboten oder City-Mauten. So dürfen Alt-Pkws (Euroklasse 2) in Hannover nicht mehr ins Stadtzentrum fahren. Freiwillige Umstiegshilfen wie eine Ökoprämie sind ein viel besserer Weg.

Die Ökoprämie ist kein Zwang, sondern ein freiwilliges Angebot, das man annehmen kann oder auch nicht. Jede Einzelne, jeder Einzelne wird sich genau durchrechnen, ob sie/er zugreift oder nicht. Was, wenn keine/r der 1,2 Millionen Besitzer/innen eines sehr alten Pkws zugreift? Keine Sorge - dann wär auch nix verhaut. Dann würden ja auch keine Prämiengelder fließen ... (Lydia Ninz, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

Zur Person

Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit beim Auto-, Motor- und Radfahrerbund ARBÖ.

 

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    Auch er wird früher oder später die Vorteile der Verschrottung zu schätzen wissen. Das ist wie beim Bausparen ... Foto: aus "Goldfinger" ; Modell: Aston Martin, Jg. 1964

  • Lydia Ninz ist vom Nutzen der "Umsteigehilfe"  über-zeugt. - "Und wenn's keiner will, ist auch nix verhaut."
    foto: aknö

    Lydia Ninz ist vom Nutzen der "Umsteigehilfe" über-zeugt. - "Und wenn's keiner will, ist auch nix verhaut."

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