Kontrollamt zerpflückt städtische Spitäler

2. Februar 2009, 16:50
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Kritik an mangelhafter Versorgung, langen Wartezeiten, illegaler Betriebsansiedlung

Wien - Das Wiener Kontrollamt hat sich das Wiener Gesundheitswesen vorgeknöpft und in gleich drei aktuellen Berichten - zum Krankenhaus Hietzing, zur Kinder- und Jugendpsychiatrie und zu OP-Wartezeiten - den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) kritisiert.

Worauf die Opposition schon seit längerem hinweist und was auch ein großes Thema in der Untersuchungskommission zu Missständen auf der Wiener Psychiatrie war, bestätigt nun auch die städtische Kontrollinstanz: Eltern von psychisch kranken Kindern können sich auf eine "lange Durststrecke" einstellen, heißt es im Bericht. Die Wartezeiten auf Diagnose und Therapie seien lang und häufig mit hohen Kosten verbunden. Denn in Wien gibt es für diesen Bereich zwei niedergelassene Fachärzte mit Kassenvertrag. Urteilt man nach internationalen Standards, fehlen sieben.

Die Auswirkung von teilweise mehrmonatigen Wartezeiten: Akutpatienten werden im stationären Bereich aufgenommen, wo sie auch länger bleiben als notwendig. Punktuell kam es auch zu Aufnahmestopps, "weshalb nicht von einem bedarfsgerechten Leistungsangebot - insbesondere im therapeutischen Bereich - ausgegangen werden konnte" , heißt es im Bericht. Sigrid Pilz, Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, spricht von "politischer Verwahrlosung" der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Heuer erhöhte der KAV auf den entsprechenden Abteilungen am Rosenhügel und im AKH die Bettenzahl um zehn beziehungsweise vier Betten.

Taubenkot und Schimmel

Um Wartezeiten ging es auch in einem anderen Bericht des Kontrollamts. So wurde festgestellt, dass Sonderklassepatienten kürzere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, als Versicherte der allgemeinen Gebührenklasse. In der Orthopädie (beispielsweise Hüft- und Kniegelenksoperationen) betrug der Unterschied durchschnittlich zwischen einem und drei Monaten. Bei Augen-OPs sind Sonderklassepatienten zwischen einem und dreieinhalb Monaten früher dran. Grundsätzlich lobten die Prüfer das Bemühen der Spitäler um Sonderklassepatienten, weil sie auch Geld brachten. Sie empfahlen aber, die OP-Zeiten auszudehnen und die Arbeitszeiten der Ärzte flexibler zu gestalten. VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec sieht ihre Kritik bestätigt: "Im roten Wien hat sich eine Zwei-Klassen-Medizin breitgemacht."

Schlechte Kritiken bekam auch das Krankenhaus Hietzing, vormals Lainz. So müsse das Pflegepersonal über einen mit Taubenkot verunreinigten Dachboden, bereits in Dienstkleidung, zu den Patienten gehen, Matratzen würden in schimmeligen Kellern gelagert, in Umkleideräumen herrschten unhygienische Zustände, kritisierten die Prüfer. Darüber hinaus entdeckten sie offenbar auch illegale "Betriebsansiedlungen" . So waren im Spital eine Spenglerei, eine Installations- sowie eine Elektrofirma ohne Genehmigung untergebracht. Im KAV zog man bereits Konsequenzen: Der verantwortliche technische Direktor wurde entlassen. (mil/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

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