"Nur nicht firlefanzen"

2. Februar 2009, 11:37
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Mit dem Super-G der Damen wird um 13 Uhr die WM eröffnet. Der ÖSV schickt Götschl, Fischbacher, Görgl und die Debü­tantin Fenninger ins Rennen

Val d'Isère - Herzlich Willkommen, liebe Skisportfreunde. Heute hebt, wenn sich der Sturm an die Wettervorhersage hält und nachlässt, die WM 2009 an. "Sportlerinnen und Sportler" , da ist sich ÖSV-Alpindirektor Hans Pum ganz sicher, "werden ihr Bestes geben." Schließlich geht es nicht zuletzt darum, die Vorgabe des Herrn Präsidenten zu erfüllen. Professor Peter Schröcksnadel pflegt sich bei Großereignissen wie WM oder Olympischen Spielen traditionell sechs bis acht Medaillen zu wünschen, und dieser Wunsch ist durchaus als Befehl zu verstehen.

Österreichs Mannschaft besteht aus 25 Aktiven (so groß ist von den 73 teilnehmenden sonst nur die italienische), 42 Trainern und 13 Offiziellen. "Leider haben wir heuer weniger Gäste als normal" , sagt Pum bei der ersten Plauderei im Quartier Grand Paradis des Steirers Franz Korosec. Schuld sei nicht die Wirtschaftskrise, sondern das Antikorruptionsgesetz, welches einige zur Absage gezwungen habe.

In den heutigen Super-G, in dem die Schwedin Anja Pärson den Titel verteidigt, schickt Damenchefcoach Herbert Mandl die Salzburgerin Andrea Fischbacher (23) und die Steirerin Elisabeth Görgl (27), die beide schon WM-Erfahrung haben, die Salzburgerin Anna Fenninger (19), die bei Junioren-Weltmeisterschaften schon groß abräumte und dank eines zweiten Platzes im Jänner beim Super-G in Cortina erstmals bei den Großen mitwirken darf. Und natürlich Renate Götschl (33).

Götschl, von Mandl mit dem Titel "Grande Dame des Skisports" versehen, hat in dieser Saison vergleichsweise noch gar nichts gerissen und als bestes Resultat einen neunten Platz beim Super-G in St. Moritz zu Buche stehen. "Es ist ein gutes Gefühl" , sagt die Steirerin, "dass ich einmal nicht zu den Favoriten zähle." No na net will sie dennoch gewinnen. "Die Erwartungen rundherum sind vielleicht nicht so groß, aber bei mir selber ist das natürlich eine andere Geschichte." Diese Saison sei einfach ein Teil von ihr, und sie habe gar nicht vor, irgendetwas zu verdrängen. "Ein Bluff war das aber sicher nicht. Ich werd jetzt nur nicht firlefanzen. Ich bin froh, dass ich wieder dabei bin."

Ob sie sich noch an ihre erste WM erinnern kann? "Moment, da muss ich nachdenken. Ah ja, in der Sierra Nevada war's, das weiß ich deshalb, weil ich die Siegerehrung versäumt habe. In der Kombination bin ich Vierte geworden." Sierra Nevada war 1996, und es sollte nur eine von zwei Weltmeisterschaften sein, die Götschl ohne Medaille verließ, die zweite passierte im Jahr 2003 und in St. Moritz. Insgesamt hat die Obdacherin neun WM-Medaillen gesammelt, drei Goldene, vier Silberne, zwei Bronzene. 2007 in Aare wurde sie Weltmeisterin mit dem Team und Dritte im Super-G.

Schöne Erinnerungen

Am Montagabend bei der Eröffnung arbeitete Renate Götschl als Fahnenträgerin. "Das hat sie verdient" , sagt Pum. "Schön, dass mir diese Ehre noch einmal zuteil geworden ist" , sagt Götschl, die überraschenderweise bei sieben WM-Teilnahmen noch nie als Fahnenträgerin aufgeboten wurde. Dafür gewann sie, die in der Weltcup-Bestenliste mit 46 Siegen hinter Annemarie Moser-Pröll (62) und der Schweizerin Vreni Schneider (55) als Dritte rangiert, 1997 und 2005 die Wahl zu Österreichs Sportlerin des Jahres.
"Ich mag den Ort" , lobt Götschl Val d'Isère, "ich hab schöne Erinnerungen, obwohl ich hier noch nie gewonnen habe. Und ,bonjour‘ und ,merci‘ kann ich auch sagen."

Die WM-Piste namens Solaise ist für fast alle neu. Die Französinnen wollten hier ihre Meisterschaft austragen, doch es blieb wetterbedingt beim Training. Die Weltcupbewerbe Ende 2007 fielen wegen Schneemangels aus.Immerhin verfügt Götschl über die größte Routine von allen, was aber nur bedingt hilfreich sei. "Ich weiß trotzdem nicht, wieweit ein Sprung geht oder wieweit ich abgetragen werde. Da ist das Zusammenspiel mit den Trainern sehr wichtig. Ob jung oder alt, die Schnellste gewinnt das Rennen."Und dann wurde Götschl gefragt, was sie am Start im Kopf habe? "Am besten nichts. Im Starthaus sollte man nicht mehr nachdenken."(Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 3. Februar 2009)

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    Die 33-jährige Renate Götschl schaut vor dem Super-G und überhaupt relativ zuversichtlich drein. "Weil es ein gutes Gefühl ist, dass ich einmal nicht zu den Favoriten zähle." Bluff seien die schwachen Ergebnisse vor der WM aber nicht gewesen.

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    Andrea Fischbacher, Anna Fenninger, Renate Goetschl und Elisabeth Goergl.

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