"Obama ist kein Weltpräsident"

2. Februar 2009, 10:22
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Gusenbauer: Obama muss in erster Linie auf die US-amerikanischen Interessen Rücksicht nehmen

Im Rahmen von „EU erschreiben", einem Medienworkshop mit dem Schwerpunkt EU hatten aufstrebende junge JournalistinInnen die Ehre, Ex-Kanzler Gusenbauer zu interviewen.

"In Zeiten wie diesen, wo die Medien von der Finanzkrise und anderen schlechten Nachrichten geprägt sind, sehen die Europäer Obamas Wahl als einen Atoll der Hoffnung.", antwortete Gusenbauer optimistisch auf die Frage ob die Europäer bezüglich Obamas Amtsantritt nicht zu euphorisch oder zu hoffnungsvoll wären. „Obama ist eine willkommene Abwechslung im Meer von schlechten Nachrichten", fügte er hinzu.

Zum transatlantischen Beziehungen - und was Obamas Präsidentschaft für diese bedeutet - war der Alt-Kanzler sehr optimistisch, bekräftigte aber mehrmals die Tatsache, dass der US-Präsident kein Weltpräsident sei und in erster Linie die Interessen der US-Amerikaner zu vertreten hätte, nicht die der Europäer. Obama sei ein guter Partner für Europa, denn „Obama ist kein Anhänger eines konfrontativen Weltbildes sondern eines des kooperativen.", begründete Gusenbauer seinen Optimismus gegenüber Obama.
Die EU müsse aber ihre eigenen Interessen definieren und sie auch selber vertreten. Europa muss einen ganz massiven Beitrag leisten, denn man kann nicht erwarten, dass Dinge, die wir nicht erledigen, jemand anders für uns erledigen.

Die letzte US-Regierung sei eine traurige Angelegenheit gewesen, geprägt von der Finanzkrise und Kriege, und daher sei Obamas Amtsantritt zu begrüßen, welcher Aufschwung verspreche.
Der US-Präsident hat eine zentrale Rolle beim Motivieren der Bürger, und Obama besäße die Fähigkeit in der Bevölkerung Energie zu bündeln. Dank Obama haben sich die Willen der US-Amerikaner formiert, um die Krise zu bewältigen. Wenn man die rechtlich legitimierte Rassendiskriminierung noch vor 40 Jahren in den USA betrachtet, ist Obamas Amtsantrittes ein historisches Ereignis.

Zur Guantanamo-Debatte meint der Ex-Kanzler das sei ein US-amerikanisches Problem und daher sollten sie es selber lösen. Ehemalige Guantanamo-Häftlinge konnten mit Hilfe des Zeugenschutzprogramms in den USA leben. Staaten, die den USA beim Transportieren von Gefangenen aktiv geholfen haben, trägen ebenfalls Mitverantwortung und sollten ihren Beitrag leisten. (Patrick Gyasi)

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