Ein Wettlauf wird bestritten

1. Februar 2009, 18:56
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Kaltenbrunner, Pasaban, Meroi: Drei Frauen und noch je drei Achttausender

Bühl/Wien - Everest, K2, Lhotse. Drei der vier höchsten Berge dieser Welt will die Oberösterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner (38) noch besteigen, dann kennt sie alle 14 Achttausender. Vielleicht wird sie die erste Frau sein, die Selbiges schafft, derzeit liegen die Spanierin Edurne Pasaban (35) und die Italienerin Nives Meroi (47) quasi gleichauf. Deren "Restprogramm" sieht jeweils ein wenig anders aus als Kaltenbrunners.
Sowohl Pasaban und Meroi haben Everest und K2 "abgehakt" , beiden fehlt u. a. der Kangchendzönga, den Kaltenbrunner von oben bis unten kennt. Sie war 2006 die zweite Frau am dritthöchsten Berg, sie ist die einzig lebende. Die Britin Ginette Harrison, 1998 am Kangchendzönga, kam '99 in einer Lawine am Dhaulagiri um.

Kaltenbrunner, Pasaban und Meroi kennen einander, man traf sich ab und zu am Berg, hält E-Mail-Kontakt. Vor allem mit der Spanierin versteht sich die Österreicherin gut. Kurz haben sie überlegt, wie reizvoll es wäre, den letzten Achttausender gemeinsam zu besteigen. Das kann sich nun nicht mehr ausgehen. Kaltenbrunner: "Aber wir haben schon vereinbart, dass wir nachher einen schönen Sechs- oder Siebentausender machen, nur wir zwei miteinander."
Alle drei Bergsteigerinnen bestreiten, dass sie einen Wettlauf bestreiten. Kaltenbrunner hat aus der vorigen Saison, als sie drei Achttausender angehen wollte und einen bestieg, ihre Lehre gezogen. Spricht man sie auf ihre Pläne für heuer an, sagt sie: "Eine Kleinigkeit, ein minimales gesundheitliches Problem, genügt schon, dass man nicht aufbrechen kann. Darum konzentriere ich mich nur auf den Lhotse, und wenn da alles gut geht, schauen wir weiter."
Anfang April macht sie sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf Dujmovits auf den Weg. Wenn er den Lhotse besteigt, ist er der erste Deutsche auf allen Achttausendern. "Ich hab einmal einen Bergsteiger gesehen, der soeben seinen Vierzehnten geschafft hatte" , sagt sie. "Das kann man mit Worten nicht ausdrücken, was der Mensch in dem Moment ausgestrahlt hat, diese irre Freude. Das will ich mit Ralf auf jeden Fall erleben." Zweimal hatten Dujmovits und Kaltenbrunner auf dem Lhotse schon vergeblich Anlauf genommen. "Einmal hab ich hundert Meter unter dem Gipfel umgedreht" , sagt Kaltenbrunner, "weil es einfach zu spät geworden wäre."

Den K2, der im Sommer für sie ein Thema werden könnte, nennt Kaltenbrunner "einen der schönsten Berge überhaupt, wie eine Pyramide steht er da" . Und er sei im Vergleich mit dem Lhotse und dem Everest wohl auch der anspruchsvollste. Dujmovits ist zumindest sehr zögerlich, ob er Kaltenbrunner auch auf den K2 begleiten würde. "Es braucht unglaublich viel Motivation, um auf den K2 zu kommen. Und wenn diese große Schubkraft aus dem Verlangen, den Gipfel erreichen zu können, einmal weg ist, weil man schon oben war, bricht ein ganzes Stück Motivation weg." (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 2. Februar 2009)

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