FARC-Rebellen ließen vier Geiseln frei

2. Februar 2009, 14:32
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Drei Polizisten und Soldat trafen nach Verzögerung in Villavicencio ein - Bombenanschlag in Nacht

Villavicencio/Cali - Die linksgerichteten FARC-Rebellen in Kolumbien haben wie angekündigt vier Geiseln freigelassen. Die vor zwei Jahren verschleppten Männer, drei Polizisten und ein Soldat, wurden am Sonntag per Hubschrauber nach Villavicencio in der Nähe der Hauptstadt Bogotá geflogen. In der Nacht auf Montag erschütterte indes ein mutmaßlicher Bombenanschlag der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) die Stadt Cali im Südwesten des Landes.

Die Freigelassenen im Alter von 24 bis 35 Jahren wurden in Villavicencio von Mitgliedern der Organisation Kolumbianer für Frieden empfangen. Die 2007 entführten Männer waren anscheinend bei guter Gesundheit. Die Übergabe der Geiseln hatte sich deutlich verzögert. Laut einem Mitglied der Begrüßungsdelegation waren Flüge der kolumbianischen Luftwaffe über dem Übergabeort der Grund dafür.

Autobombe im Zentrum

Der Anschlag im Zentrum von Cali am Montag war offenbar mit einer Autobombe verübt worden und richtete sich gegen eine Polizeiwache, wie der Bürgermeister der drittgrößten kolumbianischen Stadt, Iván Ospina, vor Journalisten sagte. Eine Person wurde getötet, es soll sich dabei um den Bombenleger handeln. 30 Menschen wurden laut Krankenhausangaben verletzt. Präsident Alvaro Uribe schrieb den Anschlag den FARC-Rebellen zu und verurteilte die Tat. Das Attentat erfolgte fünf Tage nach einer ähnlichen Explosion in Bogotá. Am Dienstag vergangener Woche waren im dortigen Nobelviertel La Cabrera zwei Menschen ums Leben gekommen.

Uribe hat nach der einseitigen Freilassung von vier Geiseln durch die FARC-Rebellen verboten, dass auch bei weiteren Geiselbefreiungen Vertreter von Kolumbianer für den Frieden mit in den Dschungel fliegen. Damit erscheint die im Laufe des Montags vorgesehene Freilassung des früheren Gouverneurs der Provinz Meta, Alan Jara, und die für Mittwoch angekündigte Freilassung des Ex-Abgeordneten des Parlaments der Provinz Valle del Cauca, Sigifredo López, fraglich.

Das Verbot des Präsidenten betraf auch die oppositionelle Senatorin Piedad Córdoba, die die Freilassung vermittelt hatte und an der Übergabe der vier ersten Ex-Geiseln an einem unbekannten Ort in den Urwäldern im Süden des Landes teilgenommen hatte. Ihre Teilnahme hatten die Rebellen zur Bedingung gemacht.

"Dies (das Verbot des Präsidenten) ist eine einseitige Maßnahme, die die Zivilgesellschaft ausschließt. Sie behindert den Prozess (der Freilassung)", warnte Iván Cepeda von Kolumbianer für den Frieden. Die Organisation steht der Politik Uribes kritisch gegenüber und bemüht sich um die Freilassung aller Geiseln.

Propagandazwecke

Uribe jedoch betonte, die FARC würde die Freilassung zu Propagandazwecken missbrauchen. "Die Regierung kann nicht erlauben, dass die Terroristen Vorteile aus dem Schmerz der Entführten und ihrer Familien ziehen", zitierte ihn die Zeitung "El Tiempo". Er ordnete an, dass nur noch Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sowie die Besatzungen von zwei von Brasilien gestellten Hubschraubern bei der Übergabe von FARC-Geiseln anwesend sein dürften.

Die FARC hat Hunderte Geiseln in ihrer Gewalt. Eine der prominentesten Gefangenen, die franko-kolumbianische Grünen-Politikerin Ingrid Betancourt, war im vergangenen Juli nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft befreit worden. (APA/AFP/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Geiseln nach ihrer Freilassung.

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