Theologe: "Eine völlig falsche Entscheidung"

1. Februar 2009, 15:54
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Kaum zum Linzer Auxiliar-Bischof ernannt, sieht sich Gerhard Maria Wagner mit einer Welle der Empörung konfrontiert

Experten fürchten einen spürbaren Anstieg der Kirchenaustritte.

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Linz - „Ich bin einer, der den Konflikt sucht. Wenn es ihn nicht gibt, bin ich eher beunruhigt und mir ist mulmig." Bereits am Tag der Ernennung machte der neue Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner klar, dass es mit einem helfenden Dasein im Schatten des Linzer Diözesanbischofs Ludwig Schwarz allein wohl nichts werden wird. Um den bisherigen Pfarrer von Windischgarsten zu beruhigen: Den Konflikt muss Wagner innerhalb der Diözese Linz nicht lange suchen, denn dieser hat ihn bereits vor der offiziellen Weihe ereilt.

Während anderenorts wohl die Bestellung eines neuen Weihbischofs für kollektiven Jubel unter den Katholiken sorgt, ist in der Diözese Linz der Ärger groß. Führende Priester äußern grobe Bedenken, zahlreiche Katholiken bis hin zu Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) kritisieren ungewöhnlich deutlich die eigenmächtige Bestellung Wagners. Für Pühringer deutet eine Entscheidung, die nicht dem Dreiervorschlag der Diözese entsprochen habe, darauf hin, dass „in Rom von der Diözese ein Bild herrscht, das meines Erachtens nicht der Realität entspricht. Mit dem Windischgarstner Pfarrer wurde ein sehr konservativer Geistlicher berufen." Generaldechant Franz Wild befürchtet, dass schwierige Zeiten auf die Diözese zukommen werden: „Ich bin erschüttert über diese Entscheidung. Es ist verwunderlich, dass jemand, der in so vielen Fragen eine extreme Position einnimmt, für so ein Amt, das doch zusammenführen soll, berufen wird."
Walter Wimmer, Mitglied des bischöflichen Konsistoriums, geht noch einen Schritt weiter: „Für mich ist es eine Desavouierung des Domkapitels. Es ist eine Fortsetzung einer konservativen und restaurativen Tendenz unter dem jetzigen Pontifikat." Auch unmittelbar an der Kirchenbasis hat man mit dem umstrittenen Geistlichen massive Probleme. „Es ist eine unglaubliche Provokation gegenüber der Diözese und den vielen engagierten Leuten", kritisiert Franz Moser, Pfarrgemeinderats-Obmann in Steyr-Tabor, im Standard-Gespräch.

Doch während es in der Diözese angesichts des konservativen Rucks rumort, herrscht an der Spitze bischöfliche Gelassenheit. „Ich danke Gott und freue mich darüber, dass ich durch den Papst einen Weihbischof erhalten habe", negierte Diözesanbischof Ludwig Schwarz den Aufschrei in seiner Diözese weitgehend. Und auch der künftige Weihbischof selbst gibt sich entspannt. Man müsse einander mit Ehrfurcht begegnen. Und das könne auch er sich erwarten, so Wagner knapp.

"Dramatisch bedenklich"

Für den Pastoraltheologen Paul Zulehner ist die Linzer Entscheidung „dramatisch bedenklich" und ein „Rückfall in eine Kirchenpolitik, die 1987 mit der Ernennung von Kurt Krenn zum Weihbischof begonnen hat". Auch damals habe Rom mit der Berufung nicht willkommener Bischöfe und Weihbischöfe versucht, die bisherige pastorale Linie zu unterbrechen. „Und denselben strategischen Versuch und zugleich Fehler macht Rom jetzt gemeinsam mit dem Linzer Bischof. Langfristig führt so eine Haltung aber nur zu einer inneren Emigration und zu einem spürbaren Anstieg der Kirchenaustritte", warnt Zulehner im Gespräch mit dem Standard. Kirchenpolitisch sei die Ernennung auf jeden Fall eine „völlig falsche Entscheidung".

Doch nicht nur in Linz wird derzeit innerkirchlich heftig diskutiert. Nach den umstrittenen Holocaust-Aussagen des britischen Bischofs Richard Williamson, jüngst vom Papst wieder in die Kirche aufgenommen, hat die konservative katholische Priesterbruderschaft Pius X. jetzt Konsequenzen gezogen. Die deutschen Pius-Brüder erteilten ihrem Mitbruder Williamson ein Auftrittsverbot. Am 30. Mai wollte der Brite bei Regensburg Diakone weihen. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2009)

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    Harry Potter scheut er wie den Teufel, Naturkatastrophen sieht er im Zusammenhang mit göttlichen Strafen: Der Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner, ist höchst umstritten.

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