Neue Mittelschule "verdient Namen nicht"

27. Jänner 2009, 16:11
23 Postings

Grüne kritisieren, dass in Vorarlberg nach wie vor Leistungsgruppen bestehen - VP-Landesrat Stemer zu den Vorwürfen: "Umstellung geht nicht von heute auf morgen"

Wien - "Rosstäuscherei" werfen die Grünen dem Projekt "Neue Mittelschule" von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) vor. Speziell in Vorarlberg würde das Vorhaben "seinen Namen nicht verdienen", weil zahlreiche Schulen noch Leistungsgruppen führen würden, kritisierte der Grüne Bildungssprecher Harald Walser am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Außerdem seien die Schulversuche nicht vergleichbar. Walser fordert deshalb eine Ausweitung des Projekts auf die AHS-Unterstufe.

"Fluchtmechanismus aus Hauptschulen"

Die Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sei "kein linkes Projekt, sondern ein Projekt der Vernunft", betonte Walser, der auf andere Länder verwies, wo konservative Regierungen die Gesamtschule eingeführt bzw. unangetastet gelassen haben. Auch in Österreich sollte man deshalb "raus aus der Ideologiefalle". Das was derzeit gemacht werde, gehe aber nicht in die Richtung, "wir machen aus einem zwei- ein dreigliedriges Schulsystem". Der Andrang auf die "Neue Mittelschule" sei ein "Fluchtmechanismus" aus den Hauptschulen.

Bis auf wenige Ausnahmen würden die "Neuen Mittelschulen" ihren Namen nicht verdienen. So stehe bereits in den Anträgen für die Vorarlberger Schulversuche, dass es Leistungsgruppen gebe, obwohl diese laut Gesetz nur temporär eingerichtet werden dürfen. "Ich will wissen, warum Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) das genehmigt hat", sagte Walser, der dazu eine parlamentarische Anfrage gestellt hat. Zudem seien die Schulversuche nicht vergleichbar. So würden von den pro Klasse zur Verfügung gestellten sechs zusätzlichen Stunden in Vorarlberg nur zwei in den Klassen ankommen, während in der Steiermark das Land diese Stunden verdoppelt hat und nun zwölf zusätzliche Stunden zur Verfügung stehen.

Stemer: "Walser soll sich informieren"

In Vorarlberg trägt für Walser Schul-Landesrat Siegi Stemer (ÖVP) die Hauptschuld an der Situation. Er habe sich mit der "Neuen Mittelschule" aus dem Dilemma zu weniger AHS-Plätze gerettet. Und Schmied sei ihm "auf den Leim gegangen, weil sie heilfroh war, ein schwarzes Bundesland zu haben. Da hatte sie kein Interesse gehabt, so genau hinzuschauen", sagte Walser. Er schlägt vor, etwa Vorarlberg oder das Südburgenland zur Modellregion zu machen und auch die AHS-Unterstufe einzubeziehen.

Konfrontiert mit diesen Vorwürfen, sagt Landesrat Stemer gegenüber derStandard.at: "Herr Walser soll sich endlich über die Dinge informieren." Man sei derzeit in einer Entwicklungsphase, die Stundenzahl würde auch in Vorarlberg erhöht werden. Er, Stemer, sei gerade in Verhandlungen um mehr Stunden für die individuelle Förderung zu bekommen. "Es ist nicht seriös, vier Monate nach dem Start der Neuen Mittelschule zu erwarten, dass alles umgestellt ist", argumentiert Stemer. Das könne nicht von heute auf morgen passieren, schließlich habe jede Schule andere Rahmenbedingungen. "Zur Umbildung der Leistungsgruppen brauchen wir Zeit. An einigen Schulen sind die Leistungsgruppen jetzt schon aufgehoben, andere werden erst in ein, zwei Jahren soweit sein", erzählt Stemer.

Enge Kooperation zwischen NMS und AHS

Dass es ausschließlich Hauptschulen seien, die die Neue Mittelschule starten, erklärt Stemer mit dem hohen Stellenwert der Hauptschulen in Vorarlberg: "Gut 50 Prozent aller Maturanten kommen aus den Hauptschulen. Landesweit besuchen ungefähr 77 Prozent eine Hauptschule." Die Gefahr, dass es durch die eingeschlagene Entwicklung zu einem dreigliedrigen Schulsystem kommen würde, sieht Stemer nicht. Derzeit gäbe es schon ein enges Kooperieren zwischen Neuen Mittelschulen und den AHS.

Angesprochen auf das ungewöhnlich hohe Engagement eines ÖVP-Politikers für die Neue Mittelschule sagt Stemer: "Das hat nichts mit Ideologie zu tun. Es geht nur darum Kinder zwischen 10 und 14 Jahren noch besser zu fördern. Diesen pragmatischen Weg werde ich auch weitergehen."(APA/edt, 27.1.2009)

Share if you care.