Konflikt bei Post schwelt weiter

26. Jänner 2009, 13:28
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Gewerkschaft will keine "schwarze Liste" mit 300 bedrohten Standorten kennen

Wien - Der Konflikt über in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu erwartende Postamtsschließungen schwelt weiter. Eine Liste mit angeblich 300 bedrohten Ämtern sorgt seit Sonntag wieder für Unruhe. Die Gewerkschaft, die mit dem Management auch über die Zukunft des Filialnetzes spricht, wollte aber von einer Liste von Schließungskandidaten noch nichts wissen.

"Wir sprechen in mehreren Arbeitsgruppen mit dem Vorstand, eine auch zu den Filialen", sagt Post-Gewerkschaftssprecher Martin Palensky am Montag. Da gebe es von beiden Seiten unterschiedliche Zahlen, eine Schließungsliste mit 300 Standorten kenne die Belegschaftsvertretung aber nicht", sagt Palensky (FSG). Laut aktuellem "trend" finden sich 300 Standorte auf dieser Liste. Gleichzeitig ortet Palensky im Zusammenhang mit dem Bericht eine "Provokation" offensichtlich aus dem Management: "Wir werden uns nicht provozieren, aber auch nicht an der Nase herumführen lassen."

Ein Post-Sprecher verwies am Montag gegenüber der APA auf die Gespräche mit den Belegschaftsvertretern und wollte sich nicht dazu äußern, wann die Auflistung der bedrohten Standorte vorliegen wird. Der "trend" spricht davon, dass es "in Kürze" so weit sein soll.

Eine derartige Liste hätte bereits im Dezember vorliegen sollen, als der Konflikt zwischen dem Management und der Gewerkschaft in einen Streik zu münden drohte. Wie berichtet darf die Post aufgrund einer Verordnung des damaligen Verkehrsministers Werner Faymann (S) in der ersten Jahreshälfte 2009 keine Postämter zusperren. Dass Schließungen durchgeführt werden sollen, war vom Management freilich nie abgestritten worden. Das Management hatte lediglich betriebsbedingte Kündigungen für heuer ausgeschlossen und versprochen, Personal aus betroffenen Filialen anderweitig zu beschäftigten. Nach Vorliegen der Liste wird die Post das Einvernehmen mit den betroffenen Gemeinden suchen, hieß es aus dem Unternehmen.

Volksbegehren

Christgewerkschafter Manfred Wiedner will unterdessen im Februar sein Volksbegehren gegen die Schließungen dem Nationalrat überreichen. Die derzeit noch 25.0000 Unterschriften sollen sich bis zu diesem Zeitpunkt auf 30.000 erhöht haben, sagte Wiedner am Montag zur APA. Das Argument, dass geschlossene Filialen durch Postpartner ersetzt werden sollen, lässt der FCG-Funktionär nicht gelten: "Im Lauf der vergangenen Jahre sind mehr als 1.000 Filialen zugemacht worden, aber nur 170 Postpartner entstanden", der im vergangenen November gefasste Streikbeschluss ist für Wiedner nach wie vor aufrecht.

Das Unternehmen scheint derweil entschlossen, die auf mehrere Jahre angelegte Abschlankungskur in seinem Filialnetz fortzusetzen. Bis Ende 2011 plant Götz laut "trend" noch 760 Schließungen - vor zwei Monaten war von rund 1.000 Filialen bis 2015 die Rede gewesen.

Die Grüne Infrastruktursprecherin Gabriela Moser bezeichnete das Postmanagement am Montag als "ablösereif" und meinte, die Post wolle das 2008 angekündigte "Zusperrkonzert" sichtlich ohne Abstriche durchziehen". (APA)

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