Zusatzpensionen werden massiv gekürzt

23. Jänner 2009, 18:34
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Die Pensionskassen erlitten 2008 Verluste von 13 Prozent, für ÖGB und AK herrscht "Alarmstufe Rot"

Wien - Die Finanzkrise hat im letzten Quartal 2008 noch tiefe, rote Spuren bei den 13 betrieblichen und sechs überbetrieblichen Pensionskassen hinterlassen. Lag die Performance zum Ende des dritten Quartals 2008 im Durchschnitt der 19 Kassen noch bei minus 8,4 Prozent, so verschlechterte sich das Veranlagungsergebnis bis Jahresende weiter auf minus 13,1 Prozent. Dies ist die mit Abstand schlechteste Performance der Kassen seit ihrer Gründung 1990.

Auf zwei Drittel der 63.000 Bezieher von Zusatzpensionen kommen damit weitere, massive Kürzungen ihrer Renten zu. Der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten (Pekabe) rechnet in manchen Fällen sogar mit Abschlägen von mehr als 20 Prozent. Wie hoch die Einschnitte jeweils sein werden, hängt vom Ergebnis der Veranlagungs- und Risikogemeinschaft (VRG) ab. Die Performance-Bandbreite der etwa 130 VRGs lag 2008 zwischen plus zwei und minus 18 Prozent sagte Fritz Janda, Sprecher des Fachverbands der Pensionskassen, auf Anfrage des STANDARD.

Keine Reform in Sicht

Nur etwa 15 Prozent der Bezieher von beitragsorientierten Firmenpensionen können laut Janda 2009 zumindest mit einer unveränderten Pension rechnen. In einigen VRGs gebe es noch Reserven, um die Differenz zwischen Veranlagungsergebnis und Rechnungszins auszugleichen, sagte Janda. Seit 2004 darf der Rechnungszins maximal 3,5 Prozent ausmachen, viele der älteren VRGs haben aber noch Rechnungszinse von mehr als fünf Prozent. Werden diese Zinssätze nicht erreicht, kommt es in den beitragsorientierten Kassen (rund 82 Prozent der Versicherten sind in solchen) zu Rentenkürzungen.

Die schlechte Performance trifft aber auch die knapp 500.000 Anwartschaftsberechtigten, denn das von den Pensionskassen verwaltete Vermögen ist durch die miserable Performance 2008 um rund 1,6 Milliarden auf 11,5 Mrd. Euro gesunken. Werden die Verluste bis zum Pensionsantritt der Anwartschaftsberechtigten nicht wettgemacht und die Rechnungszinse damit im langjährigen Durchschnitt nicht erreicht, sinken die bei Abschluss des Pensionskassenvertrags errechneten Renten. Die Pensionskassen nennen die jährliche durchschnittliche Performance von 1991 bis Ende 2008 mit plus 5,7 Prozent. In den letzten fünf Jahren lag sie im Schnitt nur bei plus 2,62 Prozent, seit 2000 gar nur bei 1,36 Prozent, so eine Pekabe-Sprecherin.

Die Arbeitsgruppe zurReform der Pensionskassen lässt indes weiter auf sich warten. Für die Arbeiterkammer "herrscht Alarmstufe Rot". (Gariele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

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