Industrie will 15 Milliarden Euro Staatshaftungen

19. Jänner 2009, 12:30
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Aufnahme von Anleihen soll billiger werden

Wien  - Nach dem 100-Mrd.-Euro-Paket für die Banken soll der österreichische Steuerzahler nun auch die Garantien für Industrieanleihen in Höhe von 15 Mrd. Euro übernehmen. Dies forderte die Industriellenvereinigung (IV) am Montag. Begründet wird dieser Vorstoß damit, dass sich die österreichischen Industrieunternehmen "trotz erstklassiger Bonität auf dem Kapitalmarkt nur schwer bzw. teuer refinanzieren" können.

IV-Präsident Veit Sorger verwies darauf, dass in Deutschland, in Frankreich staatliche Garantieprogramme gemacht würden, die es den direkten Mitbewerbern der österreichischen Unternehmen erlauben würden, sich billiger zu refinanzieren. Aus diesem Grund müsse die Republik Österreich helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie abzusichern und rasch ihren Schirm auch auf die Nicht-Banken ausdehnen: "Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren."

In Westeuropa rollten bereits jetzt staatlich garantierte Anleihen in Höhe von 500 Mrd. Euro auf die Kapitalmärkte zu. Voest-Generaldirektor Wolfgang Eder sagte, dass, wenn Österreich zu lange warte, die Kapitalmärkte im Sommer "leergefegt" seien.

Die Staatshaftungen sollen zeitlich befristet (bis 2012) sein, die Nutznießer sollen eine Provision für die Garantie entrichten. Direkte Staats-Einstiege in Industriebetriebe soll es nach dem Willen der Industriellen keine geben.

Ausfinanziert, dennoch Cash-Bedarf

Konkret schlägt die IV vor, Haftungen im Umfang von fünf Milliarden Euro für direkt von Konzernen begebene Anleihen zu gewähren. Der der Rest soll kleinen und mittleren Betrieben vorbehalten bleiben. Für mittlere Tranchen von 30 bis 300 Mio. Euro soll eine Sammelstelle errichtet werden, die staatlich garantierte Bündelanleihen auflegt, so die IV. Für kleinere Betriebe mit Tranchen bis zu 50 Mrd. Euro ist bereits im Konjunkturpaket vorgesorgt. Den Garantierahmen für kleine und mittlere Unternehmen übernimmt das Austria Wirtschaftsservice (aws).

voest-Generaldirektor Eder und Wienerberger-Vorstandschef Wolfgang Reithofer betonten am Montag, dass ihre Unternehmen eigentlich keine zusätzlichen Finanzierungsquellen bräuchten, weil sie für die nächste Zeit ausfinanziert seien. "Wir haben für das nächste Geschäftsjahr einen Refinanzierungsbedarf von 600 Mio. Euro. Trotz schwieriger Konjunkturlage können wir das aus Cash Flow und Working Capital bestreiten", sagte Eder. Die Wienerberger hat sich nach Aussage Reithofers überhaupt für die nächsten zwei bis drei Jahre Finanzierungsquellen gesichert.

Mehr Geld würde aber den "Handlungsspielraum" für Investitionen und Akquisitionen (und Ausgaben für Forschung und Entwicklung) gerade auf dem Höhepunkt der Krise erhöhen, betonten Eder und Reithofer unisono. Beide Manager haben seit Ausbruch der Krise vor einem halben Jahr freilich ihre Investitionspläne stark zusammengestrichen.

Wenn die Voest günstig an Geld kommt, könnten die zum Halbjahr 2008/09 angekündigten Investitionskürzungen von 1 Milliarde auf 700 Mio. Euro rückgängig gemacht werden, stellte Eder in den Raum. Er sprach sich aber dagegen aus, mit der Vergabe der Garantien konkrete Auflagen für Investitionen zu verbinden.

Voest-Anleihe

Die Voest würde im nächsten Geschäftsjahr eine Anleihe von bis zu einer Milliarde Euro begeben, sollte es die Staatsgarantie geben, sagte Eder. Seiner Darstellung nach würde sich die voestalpine mit einer Staatsgarantie etwa 350 Basispunkte (3,5 Prozentpunkte) bei der Anleiheaufnahme ersparen. Dies ergibt bei einer Milliarde Euro rund 35 Millionen Euro weniger Zinszahlungen jährlich. Die Haftungsprovision für den Staat würde sich auf lediglich 40 bis 80 Basispunkte belaufen.

Reithofer erklärte, die Wienerberger könnte zusätzliche Liquidität in Höhe von 500 Mio. Euro brauchen. Bisher habe sich das Unternehmen mit einer Verzinsung zwischen vier und fünf Prozent finanziert. "Wenn wir neun Prozent zahlen müssten, können wir keinerlei Aktivitäten mehr setzen", sagte er.

Nach Angaben der IV beläuft sich der sogenannte Spread auf Industrieanleihen derzeit auf 600 Basispunkte - ein beispiellos hohes Niveau. Faktisch bedeutet das Zinszahlungen von acht bis neun Prozent, wurde vorgerechnet. Noch Mitte des vergangenen Jahres war der Zinsabstand der Industrieanleihen zu dem Benchmark, deutschen zehnjährigen Staatsanleihen bei 200 Basispunkten gelegen. (APA)

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