"Kombination der Risiken ist Dynamit"

18. Jänner 2009, 17:33
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Kreditrisiko wird laut Ernst-&-Young-Studie eine harte Prüfung für Unternehmen

Wien - Die "Kreditklemme" hat es geschafft: Sie ist die Nummer eins der ärgsten Risiken, denen Unternehmen im Jahr 2009 ausgesetzt sein werden, prognostiziert der internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungskonzern Ernst& Young in einer Studie.

Ende 2007, als die Wirtschaftskrise noch eine reine Finanzkrise war, von der Experten dachten, sie gehe vorbei, sobald die großen Banken ein paar ehrliche Quartalsbilanzen vorlegen würden, wurde das Austrocknen der Kreditflüsse noch auf den zweiten Platz gereiht.
Heuer auf den Plätzen: "Regulierung und Compliance" (im Vorjahr noch auf Platz eins) sowie "die sich verschärfende Rezession" (ein Neueinstieg).

Danach folgen laut Ernst& Young: "Rapide steigendes Umweltbewusstsein (Vorjahr: Platz neun), "neue Marktteilnehmer" (16), "Kosteneinsparungen" (sieben), "Die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern" (elf), "Durchführung von Fusionen und Übernahmen (acht), "überholte Geschäftsmodelle" (neu), "Reputationsrisiken" (22).

Als "Risiko" gelten gesellschaftlich auch durchaus erwünschte Themen deswegen, weil sie zu einer Gefahr für Unternehmen werden, wenn Firmen nicht rechtzeitig auf sie reagieren. Draußen aus der Wertung sind diesmal Inflation und steigende Energiepreise. Basis der noch nicht veröffentlichten Studie ist eine Befragung von mehr als 100 Branchenanalysten weltweit durch Oxford Analytica.

"Wir haben uns 2008, wie viele andere, auch etwas verschätzt" , sagt Martin Goworek, Partner von Ernst&Young Austria, im Gespräch mit dem STANDARD.

Das Jahr 2008 habe gezeigt, "dass die Kombination der Risiken das Dynamit ist" , was auch "das Einbrechen der Wirtschaft, wie wir es nie zuvor gesehen haben", erkläre. "Viele der wirtschaftlichen Gefahren, mit denen sich Unternehmen derzeit konfrontiert sehen, stehen miteinander in Verbindung - wie etwa Kreditverknappung, Regulierung und Compliance, die sich verschärfende Rezession, Kosteneinsparungen und Reputationsrisiken." Als am schwersten betroffene Branchen nennt auch Ernst& Young Auto und Vermögensverwaltung.

Goworek zeigte sich überrascht darüber, wie Unternehmen nun Beratungsleistung nachfragen. Die Berater hätten sich 2008 darauf eingestellt, die Kunden durch die gestiegenen Ansprüche aufgrund verschärfter Regulierung und Compliance zu führen. "Aber derzeit geht es nur mehr um Cost-Cutting und Revenue-Management." Dabei werde auch geprüft, ob das Standing der Unternehmen auf dem Markt überhaupt die Verrechnung aller Leistungen zulasse.(Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.1.2009)

  • Ernst-&-Young- Austria-Partner Martin Goworek.
    foto: standard/heribert corn

    Ernst-&-Young- Austria-Partner Martin Goworek.

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