Diagnose gestörter Durchblutung wird sicherer

18. Jänner 2009, 11:00
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Neues Kontrastmittel erlaubt hohe Genauigkeit bei geringem Risiko

Bonn - Weniger Gefahr bei der Untersuchung von Durchblutungsproblemen verspricht eine Entwicklung der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. Ein neuartiges Kontrastmittel wird nicht über einen Katheter, sondern in die Venen eingeleitet und umgeht damit das Risiko einer Embolie, berichtet die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift Radiology. Dabei bietet die Methode maximale Genauigkeit. "Möglicherweise kann das neue komplikationsarme Verfahren die bisher verwendete riskantere Untersuchung in einem Teil der Fälle ersetzen", so Winfried A. Willinek, Primar der Klinik.

Verengte Arterien

Durchblutungsstörungen sind in den meisten Fällen Verengungen der Beinarterien, die die Blutversorgung der Muskeln stark einschränken. Allein in Deutschland leiden etwa zehn Millionen Menschen an der Krankheit, die mit Kältegefühl in den Füßen beginnt. Zunächst bei längeren Wanderungen, dann auch bei kurzen Spaziergängen empfinden die Betroffenen krampfartige Schmerzen und müssen anhalten. Wird es nicht behandelt, kann das Leiden zur Amputation des Beins führen, was jährlich bei rund 30.000 Patienten geschieht. Dabei ließen sich acht von zehn dieser Fälle vermeiden. Gezieltes Gehtraining, cholesterinarme Diät, Zigarettenverzicht und Medikamente bewirken im Frühstadium Besserung. In schweren Fällen setzen Ärzte zudem eine Gefäßstütze ein, weiten die Ader mit einem Ballon oder umgehen die betroffene Stelle mit einem Bypass. Voraussetzung aller Therapien ist jedoch die möglichst frühzeitige Diagnose.

Verengungen sichtbar machen

Bei der bisher genauesten Untersuchungsmethode wird nach einem kleinen Einschnitt ein Katheter in die Beinarterie geschoben, bis die vermuteten Engstelle erreicht ist. Ein Kontrastmittel macht Lage und Ausmaß der Verengung im Röntgenbild sichtbar. "Der Katheter kann jedoch Ablagerungen von der Arterienwand schaben, die über das Blut in andere Gefäße gelangen und sie lebensgefährlich verschließen", so Willinek. Unproblematischer, doch weniger genau ist die gebräuchliche Methode der Injektion des Kontrastmittels in die Vene. Dieses verwäscht bei der Reise durch den Körper rasch und wird von den Nieren herausgefiltert.

Die Bonner Forscher entwickelten ein Kontrastmittel, das sich reversibel an das Blutprotein Albumin bindet und länger im Körper bleibt, bevor es von den Nieren ausgefiltert wird. Das macht längere Belichtungszeiten in der Röntgenaufnahme möglich und erhöht deren Kontrast. Bei allen 334 arteriellen Segmenten, die die Bonner Mediziner bisher mit dem neuen Mittel untersuchten, verlief die Diagnose erfolgreich und lieferte dieselben Ergebnisse wie die Kathetermethode. Das herkömmliche Verfahren der Veneninjektion erreichte im Vergleichstest hingegen nur eine Übereinstimmung von 87 Prozent. (pte)

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