Russisch-amerikanischer Arktis-Streit geht in die nächste Runde

14. Jänner 2009, 17:23
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Geologische Untersuchungen und Strategien zur Exploration - Statement aus Moskau: "Wir werden die Arktis an niemanden abtreten"

Washington/Moskau/Wien - Russland und die USA ringen erneut um die Arktis. Der scheidende US-Präsident George W. Bush hatte eine Direktive zur US-Energiepolitik in der Arktis festgelegt. Diese widerspricht inhaltlich den zuvor gestellten Ansprüchen Russlands auf einen größeren Teil der Arktis und ihren Energievorräten. Inzwischen erarbeitet auch Russlands Sicherheitsrat laut der russische Zeitung "Kommersant" eine neue Strategie zur Erschließung der Region, berichtete die russische Agentur RIA Novosti am Mittwoch. Wie Artur Tschilingarow, Sondervertreter des russischen Präsidenten für die Arktis, sagte, bestehe ihr Sinn in der Formel: "Wir werden die Arktis an niemanden abtreten."

Tschilingarow bestätigte, dass die russische Präsenz im Polarmeer aktiv erweitert werden solle. Außerdem werde an der Begründung von Russlands Ansprüchen auf den arktischen Kontinentalschelf weiter gearbeitet, sagte Tschilingarow, diese näherten sich ihrem Abschluss. Schon in einem Jahr könne die gesamte Dokumentation, die beweise, dass der Nordpol Russland gehöre, der UNO vorgelegt werden. Zuvor hatte der bekannte Polarforscher erklärt, Russland werde aus der Seerechtskonvention austreten, falls die UNO die russischen Rechte auf den Nordpol nicht anerkenne. Andrej Fjodorow, vom russischen Rat für Außen- und Verteidigungspolitik, dagegen relativierte: "Vorläufig haben wir stärkere Positionen als die anderen Staaten. Doch darf man nicht glauben, das werde von langer Dauer sein."

Kalter "Goldrausch" wird heiß

"Die Exploration von (arktischem) Öl, Gas und anderen Ressourcen wird in der Zukunft notwendig sein", erklärte am Montag der Vize-Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Benjamin Chang. Die USA wollen mit allen Ländern zusammenarbeiten, die im Polarkreis Gebiete beanspruchten, so Chang. Auch die Grenzstreitigkeiten sollten beigelegt werden. "Wenn es um Energie geht, denken wir nicht an ein Wettrennen zur Arktis, um unsere Flagge aufzustellen", sagte Chang. Ziel sei es, mit den Anrainern zusammenzuarbeiten, um Zugangswege und Förderungsmöglichkeiten im Bereich der Energie zu finden. Dabei sollten Naturschutz und die Umwelt berücksichtigt werden. Bushs Erlass ergänzt eine seit 1994 bestehende Richtlinie für die amerikanische Politik und ist zunächst auch für den kommenden US-Präsidenten Barack Obama gültig.

Die Regierung in Moskau erklärte laut Reuters im November, bis Ende 2011 geologische Untersuchungen in der Region abschließen zu wollen, um die Grenzen Russlands im arktischen Meer festzulegen. Im selben Monat regte auch die EU-Kommission angesichts des durch den Klimawandel schwindenden Packeises eine neue abgestimmte Strategie der EU im Hinblick auf die Arktis an.

Die Anrainerstaaten

Neben Russland und den USA beanspruchen auch Kanada, Dänemark, Island, Norwegen, Schweden und Finnland Teile der Arktis. Der Polarkreis enthält nach Berechnungen der US-Regierung mit 90 Milliarden Barrel Öl genug Vorräte, um die Welt bei ihrer derzeitigen Nachfrage drei Jahre lang zu versorgen. Zudem seien dort viele Milliarden Kubikmeter Gas vorhanden.

Die fünf Anrainerstaaten der Arktis verpflichteten sich im Mai des vergangenen Jahres unter Regie der UNO auf die Beilegung ihres Territorialstreits am Nordpol. Dänemark, Norwegen, Kanada, die USA und Russland einigten sich in Ilulissat (Grönland) auf eine entsprechende Willenserklärung. (APA/Reuters/RIA)

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