Bei Kelly's knistern die Umsätze

14. Jänner 2009, 13:12
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Die Wirtschaftskrise scheint sich auf den Konsum von Snacks noch nicht auszuwirken, der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um fünf Prozent

Wien  - "Im Gegensatz zu Blue Chips an der Börse sind Kelly's Chips nach wie vor gefragt", sagte Unternehmenschef Wolfgang Hötschl Dienstagabend vor Journalisten in Wien. Auch heuer werde "die Wirtschaftskrise nicht zu einer Chips-Krise führen", zeigte er sich optimistisch und rechnet mit einem weiter steigenden Absatz.

Seine Zuversicht begründete Hötschl damit, dass seiner Meinung nach der Konsument zu allererst beim Außer-Haus-Konsum sparen werde, dann beim Kurzurlaub, gefolgt vom Urlaub an sich. "Alles wird sich mehr auf das Zuhause konzentrieren und da gehören kleine Freuden wie Chips oder Soletti dazu", sagte er. Genaue Umsatz- oder Absatzprognosen seien derzeit nicht möglich, weil die Gespräche mit den Handel noch nicht abgeschlossen seien.

Stärkung des Werks in Feldbach

Nach der Übernahme durch den deutschen Knabbergebäck-Hersteller Intersnack Mitte 2008 zeichnet Kelly nun neben Österreich für Tschechien, Bulgarien und Rumänien sowie für den gesamten Bereich der gebackenen Snacks innerhalb der Intersnack-Gruppe verantwortlich. Dies habe zu einer massiven Aufwertung des Soletti-Werkes in Feldbach geführt, hieß es. Zudem berichte auch der asiatische Bereich an Kelly in Österreich.

Zum Vergleich die Größenverhältnisse: die Marke Kelly's ist doppelt so groß wie Soletti. Soletti ist wiederum doppelt so groß wie alle Intersnack-Marken zusammen. Intersnack verbuchte zuletzt einen Umsatz von 20 Mio. Euro, Soletti machte demnach 40 Mio. Euro Umsatz. Intersnack ist in Österreich unter anderem mit den Marken funny-frisch, Chio, Pom-Bär und Goldfischli vertreten.

Nach einem Umsatzplus von 5 Prozent auf 132,5 Mio. Euro im Vorjahr (inklusive des Intersnack-Geschäfts in Österreich auf vergleichbarer Basis) rechnet Hötschl heuer mit einem weiteren Absatzplus. Im Inland ist der Umsatz 2008 um 6 Prozent gestiegen, im Ausland um 3 Prozent. Die Exportquote liegt bei 30 Prozent.

Preissteigerungen seien derzeit kein Thema, nachdem im Oktober 2008 die Preise im Schnitt um 5 Prozent angehoben wurden. Die Zahl der Mitarbeiter bei Kelly ist mit 360 stabil.

Schwerpunkt im abgelaufenen Geschäftsjahr sei zweifelsohne die Fußball-Europameisterschaft im Frühjahr gewesen, bei der Kelly mit einem "kompakten Programm" Flagge gezeigt habe. Im zweiten Halbjahr sei dann - erwartungsgemäß - der Absatz vergleichsweise schwächer ausgefallen, lag aber auf dem Niveau des Vorjahres. Im ersten Halbjahr verbuchte Kelly ein Umsatzplus von 20 Prozent.

EURO 08 und Knabberlaune

Neben der EURO habe die Fusion mit Intersnack das Jahr dominiert, sagte der Kelly-Chef. So habe man den Außendienst und die Verkaufsmannschaft neu aufgestellt, zumal das Markenportfolio deutlich größer geworden sei. Und genau dies stimme auch optimistisch für das neue Jahr: Derzeit liefen die Gespräche mit dem Handel bzw. würden neue Vertriebskanäle ausgelotet.

Geändert habe Kelly auch die Werbelinie. In den Vordergrund werde nun der Rohstoff gestellt, der bei Kelly ausschließlich aus Österreich stamme. Kelly unterhält Kontrakte mit etwa 220 Landwirten, die auf 750 ha Kartoffeln für Kelly anbauen. Pro Jahr werden bei Kelly 33.000 Tonnen Kartoffel verarbeitet. Für die Soletti werden 14.000 Tonnen Mehl aus Getreide aus österreichischem Anbau verwendet.

Aufgrund des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine habe Kelly vergangene Woche vorsorglich die Wochenproduktion gesteigert und so Reserven aufgebaut.

Der österreichische Pro-Kopf-Verbrauch bei Snacks beträgt jährlich rund 3 kg. Zum Vergleich: in Skandinavien werden 6 kg Snacks pro Kopf gegessen, in den USA 13 kg.

Bis zur Übernahme durch Intersnack stand Kelly zu 62,4 Prozent in den Händen der Schweizer Nordeck-Gruppe, die aus der Aufspaltung des Bahlsen-Konzerns entstanden ist. 25,1 Prozent hielt die Raiffeisen Ware Austria (RWA), 12,5 Prozent die Familie Zach. Wie viel Intersnack für Kelly auf den Tisch gelegt hat, wurde nicht bekannt. Nur soviel: Beim deutschen Agrar-Handelsriesen BayWa, Hälfteeigentümer der RWA, wurde 2007 ein Veräußerungsgewinn aus dem Beteiligungsverkauf des Snack-Herstellers Kelly von rund 21 Mio. Euro in der Bilanz verbucht. Kelly war vor allem wegen seiner starken Ausrichtung nach Osteuropa ins Visier der Deutschen gerückt. (APA)

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