Gerüchte am laufenden Band

15. Jänner 2009, 08:09
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Die US-Autobauer stehen am Abgrund und brauchen dringend frisches Geld, dass Chrysler an der eigenen Zerschlagung arbeite, dementierte der Konzern sofort

Detroit/Paris - Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler hat Gerüchte dementiert, er spreche mit Renault-Nissan über den Verkauf von Firmenteilen. Es gebe keinerlei Verhandlungen mit Renault, sagte der hochrangige Chrysler-Manager Tom LaSorda am Mittwoch. Reuters hatte zuvor aus Kreisen erfahren, Chrysler führe Gespräche über den Verkauf großer Firmenteile an Renault und den Zulieferer Magna. Dies würde bereits bestehende Allianzen vertiefen, könne aber auch der Anfang vom Ende des drittgrößten US-Herstellers sein, hatten mehrere mit der Situation vertraute Personen gesagt. Auch eine Renault-Sprecherin erklärte, es gebe keine Gespräche mit Chrysler.

Den Kreisen zufolge sind die Gespräche in Schwung gekommen, weil Chrysler nach dem Erhalt eines staatlichen Kredits von vier Milliarden Dollar (3,04 Mrd. Euro) seine Restrukturierung vorantreiben muss. Mit Renault-Nissan verhandle Chrysler über den Verkauf seiner bekannten Marke Jeep. Der kanadische Autozulieferer Magna solle das Montage-Werk in Belvidere im US-Bundesstaat Illinois kaufen und erhalte dafür langfristige Lieferverträge. Carlos Ghosn, der Chef von Renault und Nissan, prüfe, ob ein Anteilsverkauf den Zugriff Chryslers auf US-Staatshilfen beeinträchtigen würde.

Der stellvertretende Chrysler-Verwaltungsratschef LaSorda sagte indes, sein Unternehmen werde keine eigenständigen Marken wie etwa Jeep verkaufen. Mit Magna sei über die inzwischen aufgeschobene Produktion in Russland gesprochen worden. Chrysler habe aber Interesse am Verkauf von Lizenzen für seine Auslauf-Modelle.

Pick-up-Geländewagen für Japaner

Frankreichs Renault, das am japanischen Nissan-Konzern 44 Prozent hält, hilft Chrysler seit April bei der Herstellung kleinerer Autos. Im Gegenzug soll Chrysler in Nissan-Fabriken ab 2011 große Pick-up-Geländewagen für die Japaner bauen. Die Konzern-Division Magna-Steyr in Österreich baut Autos für Chrysler. Der Zulieferer wollte den Hersteller 2007 sogar ganz übernehmen. Am Ende verkaufte Daimler seine Tochter aber mehrheitlich an den Finanzinvestor Cerberus. Am Dienstag erklärte Magna, den ehemaligen Volkswagen- und Chrysler-Vorstand Wolfgang Bernhard als Berater verpflichtet zu haben. LaSorda zufolge hat Chrysler bereits mit Bernhard gesprochen.

In Kreisen hatte es auch geheißen, Chrysler prüfe in parallelen Gesprächen auch den Verkauf seines Modells PT Cruiser an chinesische Hersteller. Gespräche gebe es mit Chery Automobile und Guangzhou, sagten drei mit der Sache vertraute Personen. Chery äußerte sich dazu zunächst nicht und ein Guangzhou-Sprecher sagte, ihm sei darüber nichts bekannt.

Der Autoabsatz von Chrysler in den USA ist im vergangenen Jahr um 30 Prozent eingebrochen - deutlich stärker als bei den Rivalen General Motors und Ford. Dabei verlor der Konzern mehr als neun Milliarden Dollar und musste von der US-Regierung in letzter Minute vor dem Aus gerettet werden. (APA/Reuters)

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    Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler weist Gerüchte zurück, wonach er mit Renault-Nissan über den Verkauf von Firmenteilen spreche.

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