Shakespeare und Feigmann

13. Jänner 2009, 19:19
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In welchem Land leben wir, in dem ein Pfarrer eine Fünfzehnjährige in einem Pfarrhof vor dem Rechtsstaat verstecken musste - Von Josef Winkler

Damals habe ich mich gefragt, in welchem Land wir leben, in welcher Republik und Demokratie, als ein Pfarrer ein Kind, die fünfzehnjährige Arigona, in einem Pfarrhof vor diesem Rechtsstaat verstecken musste. Damals wusste ich zum damaligen oberösterr. Bundeskanzler und jetzigen niederösterr. Arbeiterkammermitarbeiter, dem dazu nur das Wort "grauslich" eingefallen ist, nur ein Wort von Shakespeare zu sagen: "Warum bist du so tief gesunken? - Weil ich nicht tiefer konnte!" Ich bin überzeugt davon, dass Bruno Kreisky in seiner Art gesagte hätte: "Das Mädl bleibt da, und wenn ich mich zwischen die Gleise vor eine Lokomotive stellen muss!" Und selbstverständlich wollen wir dem Burschenschaftler Graf und jetzigen, von dieser Regierung gewählten, Dritten Nationalratspräsidenten glauben, dass er auf dem Klo war, als seine Rabauken, Schmissbrüder und Narbenverehrer "Bei sechs Millionen Juden fängt der Spaß erst an ..." gesungen haben. Höchstens, dass er stehend oder sitzend die Melodie mitgesummt hat, wenn überhaupt!

Jetzt höre ich, dass sich die Geschwister von Arigona Zogaj "illegal" in Österreich aufhalten sollen. Ich bin gespannt, ob sich der jetzige Ministerpräsident, der "neu regieren" versprochen hat, nicht als ein Herr Feigmann entlarven wird, und ob ihm auch die Worte und die Spucke wegbleiben werden, wenn ... Der große ungarische Dichter Péter Esterházy hat einmal gesagt: "Weißt du, mein lieber Freund, Sätze sagen, das kann ich auch!" Es ist Feuer am Dach, Herr Faymann. Die Fremdenpolizisten der röm.-kath. Innenministerin sind schon unterwegs. (Josef Winkler/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

Zur Person

Josef Winkler ist Schriftsteller in Klagenfurt.

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