Wenn Dinge das Denken übernehmen

14. März 2008, 00:00
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Nie mehr die Jause vergessen? Wenn die Schultasche "mitdenkt", kein Problem. Auch andere Alltagsgegenstände sollen nun "intelligent" werden

Frage: Können Dinge denken?

Antwort: Gegenstände können natürlich nicht denken wie Menschen. Aber es gibt eine immer größer werdende Zahl an Geräten, die mit Sensoren, winzigen Prozessoren (Rechnern) und Antennen ausgestattet sind und ihre Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren können. Diese Dinge werden "intelligent" genannt, man spricht auch von "Ubiquitous Computing" ("Allgegenwärtige Computer") oder "Things that think" ("Dinge, die denken").

Frage: Was sind "intelligente" Gegenstände?

Antwort: "Things that think" können "wissen", wo sie gerade sind, welche anderen Dinge oder Personen sich in ihrem Umfeld befinden und was in der Vergangenheit mit ihnen passiert ist. Das alles geht, weil ganze Computer und ihre Bestandteile immer kleiner und leistungsfähiger werden. Wenn zum Beispiel ein Kühlschrank durch Sensoren erfassen kann, ob noch Milch da ist, kann er auf einer Anzeige angeben, wenn das nicht der Fall ist und wieder Milch besorgt werden muss.

Frage: Welche "intelligente" Dinge gibt es?

Antwort: Es gibt mittlerweile schon sehr, sehr viele davon. Vom mit Wetterprognosen vernetzten Rasensprenger, über Schultaschen, die darauf aufpassen, dass man nichts vergisst oder Kühlschränke, die wissen, wie es um ihren Inhalt bestellt ist. Diese können auch, mit dem Internet verbunden, gleich selbstständig Einkäufe erledigen.

Ständig kommen neue Ideen dazu: Erst kürzlich ist der Kieferorthopäde Gerald Grabner in Niederösterreich für seine Idee ausgezeichnet worden, eine "intelligente" Zahnspange zu entwickeln, die weiß, wie brav sie getragen wird.

Frage: Wie kann eine Zahnspange "intelligent" sein?

Antwort: Wenn eine Zahnspange einen Sensor enthält, der registriert, ob die Zahnregulierung auch wirklich im Mund ist.

Frage: Und eine Schultasche?

Antwort: Diese Idee ist beim "Jugend forscht"-Bewerb entstanden. Auf den Gegenständen, die nicht vergessen werden dürfen, also Büchern, der Jausenbox und dem Schlüssel, kleben Chips, die ungefähr so groß sind wie eine Kreditkarte. Diese geben einer Antenne, die in die Tasche eingebaut ist, ein Signal. Sollte etwas von den mit dem Chip versehenen Dingen nicht in der Tasche sein, wird auf dem Display des Handys oder auf dem Bildschirm eines ans System angeschlossenen Computers mittels Blinkens angezeigt, dass es fehlt.

Frage: Wird es bald noch mehr solche Gegenstände geben?

Antwort: Es sieht ganz so aus. Die technischen Möglichkeiten werden immer vielfältiger, weil Computerchips immer leistungsfähiger und gleichzeitig immer kleiner werden. Experten meinen, dass wir erst am Beginn des Zeitalters der "intelligenten Gegenstände" stehen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. März 2008)

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