AKW Temelin: Leck im Primärkreislauf

13. Jänner 2009, 14:09
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Radioaktives Kühlwasser ausgetreten - Reaktor trotzdem in Vollbetrieb - Vollbetrieb - Grüne: "Informations­politik schlampig und fragwürdig"

Im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin ist bereits am vergangenen Mittwoch, dem 7. Jänner, ein Leck im nuklearen Primärkreislauf aufgetreten. Das teilte die Sprecherin von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V), Doris Ostermann, heute, Dienstag, der APA mit. Österreich sei erst am heutigen Dienstag zu Mittag über den Zwischenfall im Reaktorblock 2 informiert worden.

Laut tschechischer Atomaufsichtsbehörde gebe es keine Auswirkungen auf die Funktionsweise des Blocks sowie auf die Sicherheit, sagte Ostermann. Der Reaktor befände sich in Vollbetrieb. Fünf Kubikmeter (entspricht in etwa 5.000 Liter) leicht radioaktives Kühlwasser seien ausgetreten. Die Reparaturarbeiten an dem schadhaften Ventil sollen am Dienstag abgeschlossen werden, hieß es.

Ostermann bestätigte, dass keine Gefährdung der österreichischen Bevölkerung bestehe. Auch die späte Informierung durch Tschechien sei "noch im Rahmen". Berlakovich selbst betonte, "wie wichtig das Informationsabkommen ist und dass wir uns gegenseitig von solchen Vorfällen in Kenntnis setzen".

Kritik von Grünen, BZÖ und AKW-Gegnern

"Die jüngsten Vorgänge rund um das AKW Temelin sind ein weiterer Beweis dafür, wie groß die Sicherheitsrisiken rund um die Atomkraft sind", erklärte die Umweltsprecherin der Grünen, Christiane Brunner, in einer Aussendung. "Dies sollte allen Befürwortern der Wiederinbetriebnahme von Bohunice eine Warnung sein."

Darüber hinaus sei die Informationspolitik der Temelin-Betreiber "schlampig und fragwürdig", sagte Brunner. Störfälle würden nur verspätet und nach der vereinbarten 72-Stunden-Frist gemeldet. Die mit Österreich vereinbarten Sicherheitsnachrüstungen seien nach wie vor ausständig. Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) "hat dafür Sorge zu tragen, dass das Melker Abkommen eingehalten wird". Brunner erwarte sich "daher entsprechende Aktivitäten des Ministers jenseits der üblichen Schönrederei".

"Ja, nein, vielleicht - schon allein die schlechte Information bei Pannen in Temelin beunruhigt die Bevölkerung", kommentierte BZÖ-Energiesprecher Rainer Widmann. (APA)

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