NGOs befürchten massive Zusatzkosten

13. Jänner 2009, 12:09
13 Postings

Neuerliche Forderung nach Einbeziehung von Umwelt- und Tierschutzorganisationen

Wien - Die Interessensvertretung Österreichischer Gemeinnütziger Vereine (IÖGV), die 30 Spendenorganisationen vertritt, hat am Dienstag abermals den Gesetzesentwurf zur Spendenabsetzbarkeit kritisiert. Der derzeitige Entwurf von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) bedeute "zusätzliche Schikanen, Aufwand und Kosten" für die Organisationen, sagte Wolfgang Martinek, Vorstandsmitglied der IÖGV und stellvertretender Geschäftsführer der Hilfsorganisation Care, bei einer Pressekonferenz. Weiters forderte die IÖGV die Einbeziehung von Umwelt- und Tierschutzorganisationen.

Die Belastungen für die Spendenorganisationen wären mit dem derzeitigen Gesetzesentwurf vor allem im ersten Jahr der Umsetzung "enorm", so Martinek. Kommunikationsmaßnahmen für unsichere Spender, notwendige Strukturänderungen und ein Wirtschaftsprüfer, der die Tätigkeiten der vergangenen drei Jahre testieren muss, würden beispielsweise alleine die Hilfsorganisation Care zwischen 15.000 und 20.000 Euro kosten, schätzt Martinek.

Datenschutzrechtliche Bedenken

Außerdem kritisiert die IÖGV, dass Spender künftig ihre Sozialversicherungsnummer bekanntgeben müssen, um ihre Spende von der Steuer absetzen zu können. "Wir haben diesbezüglich datenschutzrechtliche Bedenken, weil wir die Daten ans Ministerium weitergeben müssten", erklärte Martinek.

Die IÖGV glaubt, dass viele Spender nicht bereit sind, ihre Sozialversicherungsnummer anzugeben. "Wir fürchten, dass die bürokratischen Hürden die Spender abhalten überhaupt zu spenden", meinte Martinek. Weiters ist man überzeugt, dass die wegen der Absetzbarkeit erwartbaren Mehrerlöse durch den erhöhten Verwaltungsaufwand "im ersten Jahr wieder aufgefressen werden".

"Prävention nicht inkludiert"

Ein Dorn im Auge ist den NGOs auch, dass nur Spenden an "mildtätige" Organisationen von der Steuer absetzbar sein werden. "Mildtätig beschreibt nur Hilfe für jene, die schon hilfsbedürftig sind, Prävention ist aber nicht inkludiert", erklärte Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF und ebenfalls Vorstandsmitglied der IÖGV. "Das ist aus wirtschaftlicher Sicht völliger Wahnsinn", meinte Aichberger, denn die Kosten für Präventionsarbeit, etwa in den Bereichen Umweltschutz oder Aids, seien deutlich niedriger als die Folgekosten.

Entwurf diese Woche in Begutachtung

Das Gesetz soll gemeinsam mit der Steuerreform im Frühjahr im Parlament beschlossen werden und rückwirkend ab 1. Jänner 2009 gelten. Der entsprechende Entwurf soll noch diese Woche in Begutachtung gehen. (APA)

Share if you care.