Erkältungssalben gefährden Kleinkinder

13. Jänner 2009, 09:38
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Enthaltene ätherische Öle wirken kontraproduktiv - Die Schleimbildung in den Luftwegen verstärkt sich

Frankfurt/Main - Kleinkinder sollten keinesfalls mit speziellen Erkältungssalben eingerieben werden, da verschiedene Inhaltsstoffe die Schleimbildung und Entzündungen der Atemwege noch verstärken, warnt der US-Kinderarzt Bruce Rubin von der amerikanischen Wake Forest Universität. Konsequenz daraus: Der unbehinderte Luftfluss durch die engen Luftwege kleiner Kinder ist dadurch gefährdet.

Vorsicht bei Erkältungssalben

Generell wird die Anwendung dieser Salben bei Kindern unter zwei Jahren nicht empfohlen. Dass viele Eltern diese Warnung der Herstellers entweder nicht kennen oder aber nicht befolgen, zeigte  ein Notfall in der Kinderklinik der US-Universität. Ein 18 Monate altes Mädchen entwickelte schwere Atemnot, nachdem die Mutter ihm eine Erkältungssalbe unter der Nase aufgetragen hatte.

Der Mediziner testete daraufhin die Wirkung des Präparats an Frettchen. Das Atemwegssystem dieser kleinen Raubtiere ist vergleichbar mit dem des Menschen. Wie die Forscher im angesehenen Medizin-Fachblatt "Chest" berichten, verstärkte das Arzneimittel die Schleimbildung und schmälerte gleichzeitig die Fähigkeit des Körpers, die Luftwege davon zu befreien.

Trügerische Wirkung

"Ich würde das Mittel nicht bei Kindern unter zwei Jahren gebrauchen", sagt Rubin. "Und ich rate davon ab, es unter oder in die Nase zu reiben, egal ob bei Kindern oder Erwachsenen." Viele im Handel erhältliche Erkältungssalben enthalten ätherische Öle wie Pfefferminzöl, Kampfer, Eukalyptusöl oder Öle aus Nadelhölzern. Dem vermeintlichen Wunsch, eine behinderte Nasenatmung zu erleichtern, kommen diese jedoch nicht nach, so der Experte. Das kühle Gefühl, dass die Öle bei Einatmung erzeugen, täuscht die befreiende Wirkung nur vor. 

Gefährlicher Kampfer

Vielfach werden in den Produkten verschiedene ätherische Öle vermischt. Die Wirksamkeit erhöht sich dadurch jedoch nicht. Im Gegenteil: Das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen wird damit noch gesteigert. Als besonders umstritten gilt seit einigen Jahren Kampfer. Das Lorbeergewächs kann neben einem Stimmlippenkrampf, bei äußerlicher Anwendung auch Hautreizungen und Kontaktekzeme verursachen.

Bei Kleinkindern, die unter Atemnot leiden, sollte in jedem Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. In weniger dringenden Fällen werden hustende Kinder von Medizinern unter anderem zum Trinken warmer Getränke angehalten. Eine einfache Maßnahme, die schleimlösende Wirkung besitzt. (APA/AP/red)

 

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    Erkältungssalben sollten bei Kindern weder im Brust- noch Nasenbereich aufgetragen werden

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