Italienische Regierung glaubt, Flüchtlingszustrom stoppen zu können

12. Jänner 2009, 14:30
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Flüchtlinge sollen schon in Nordafrika am Auswandern gehindert werden - Alle Ankömmlinge in Italien sollen künftig sofort abgeschoben werden

Rom - Die italienische Regierung glaubt, den Flüchtlingszustrom in Süditalien stoppen zu können: So hat der italienische Innenminister Roberto Maroni ein Ende der Flüchtlingswelle nach Lampedusa bis zum Sommerbeginn angekündigt. Zudem soll auf der süditalienischen Insel Lampedusa ein zweites Flüchtlingslager entstehen.

"Bis Ende Jänner wird das Kooperationsabkommen mit Tripolis in Kraft treten, das die Patrouillierung der libyschen Küsten mit italienischen Sicherheitskräften vorsieht", so Maroni. Sechs italienische Schiffe werden im Rahmen eines Kooperationsabkommens mit Tripolis die libyschen Küsten patrouillieren, um die Abfahrt von Flüchtlingen in Richtung Süditalien zu stoppen. Der Minister versicherte, dass alle Einwanderer, die auf Lampedusa eintreffen, direkt aus der Insel sofort abgeschoben werden und nicht mehr zuerst in andere Auffanglager Italiens eingeflogen werden müssen.

G8-Gipfel auf Lampedusa

Ende Mai wird auf Lampedusa der G8-Gipfel der Innen- und Justizminister zum Thema Immigration stattfinden, kündigte Maroni bei einem Besuch auf der Insel an. Der Kampf gegen die illegale Einwanderung sowie Hilfe für die Herkunftsländer der Migranten sollen ein zentrales Thema des Gipfeltreffens sein.

Zudem wird Maroni am Dienstag die Innenminister aus Malta, Zypern und Griechenland treffen, um gemeinsame Maßnahmen bezüglich der Flüchtlingsströme zu ergreifen.

Protest gegen neues Flüchtlingszentrum

Die Behörden auf Lampedusa protestieren heftig gegen Pläne der Regierung, ein zweites Flüchtlingslager auf der Insel zu errichten. Das neue Lager soll zur sofortigen Identifizierung der Ausländer dienen, die nach langen Bootsfahrten von den nordafrikanischen Küsten die Insel erreichen. Von Lampedusa sollen die Migranten sofort abgeschoben werden. Bisher mussten die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft auf Lampedusa nach Sizilien geflogen werden, um dort identifiziert zu werden.

Der Bürgermeister Lampedusas, Bernardino De Rubeis, erwiderte, die Identifizierung Tausender von Flüchtlingen direkt auf der Insel sei undenkbar. "Fast alle Migranten, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, beantragen den Asyl. Sie müssten mehrere Monate hier verbringen, bis ihr Status geklärt worden ist", so De Rubeis. Derzeit befinden sich 1.477 Migranten auf Lampedusa. 99 Minderjährige, die in den vergangenen Tagen auf der Insel eingetroffen sind, wurden per Flugzeug nach Sizilien gebracht. (APA)

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