Wenig Andrang um kostenlose Werbeflächen

9. Jänner 2009, 19:51
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Gewista-Angebot bringt keine Einigung im Plakatstreit

Wien - Franz-Josephs-Kai, Reumannplatz, Kennedybrücke, Breitenfurterstraße: Bis vor kurzem standen Kulturinitiativen mit kleinem Werbe-Budget wienweit 13 Litfaßsäulen für diverse Ankündigungen kostenlos zur Verfügung. Seit Jahresanfang betreibt die Außenwerbe-Firma Gewista, in deren Besitz die Säulen stehen, diese Werbeflächen allerdings wieder kommerziell.
Sehr zum Ärger jener freien Plakatierer, die seit Einführung der Lichtmastenwerbung mittels sogenannter Halbschalen gegen das "Gewista-Monopol" ankämpfen. "Die 13 Standorte waren bisher das Feigenblatt, damit man sagen kann: Es gibt eh noch freie Flächen. Jetzt sind die aber auch weg", sagt Plakatierer Peter Fuchs, der die Freiflächen ebenfalls nutzte. Seit über einem Jahr kämpft Fuchs gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Verein freies Plakat für mehr Werbeplatz in der Stadt - mit mäßigem Erfolg.
Ein Großteil der ehemals freien Plakatierer arbeitet seit der Gründung des Subunternehmens Kulturplakat mit der SPÖ-nahen Gewista zusammen. Abseits der von dem Plakatriesen betriebenen Werbeflächen haben kleinere Unternehmer kaum mehr wirtschaftliche Überlebenschancen.

"Paternalistische Lösung"

Für Daniela Grill, Geschäftsführerin der Kulturplakat, ist der Ärger über den Verlust der Freiflächen auf den Litfaßsäulen nicht nachvollziehbar. "Ich glaube, das ist ein Missverständnis. Denn anstelle dieser Säulen bieten wir nun Kleininitiativen wienweit 600 Freiflächen auf Stromkästen an." Jede Kulturgruppe, die kein Geld für Werbung hat, könne sich um eine solche Freifläche bewerben. "Der Andrang ist allerdings angesichts dessen, wie sehr solche Freiflächen gefordert waren, recht gering." Die IG Kultur hatte bereits im Oktober angekündigt, dass sie diese "paternalistische Lösung" mit Gewista-Beteiligung ablehne. Für eine faire Aufteilung des öffentlichen Raums zu Werbezwecken sei ein von Kulturinitiativen gewählter Plakatbeirat nötig. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.1.2009)

 

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