Chronologie des Gasstreits

13. Jänner 2009, 15:45
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Hamburg - Im November 2008 hatte der russische Energieriese Gazprom der Ukraine mit einem Lieferstopp gedroht. Sollte Kiew seine Schulden von 2,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,9 Mrd. Euro) nicht zahlen, werde von Neujahr an der Gashahn abgedreht, hieß es. Die weitere Entwicklung im Überblick: 

  • 25. November 2008: Kiew kündigt an, den Großteil der Schulden in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar bis zum 1. Dezember zu begleichen.
  • 22. Dezember: Russlands Regierung warnt die EU-Staaten vor möglichen Lieferschwierigkeiten wegen der "uneinsichtigen Haltung" der Ukraine.
  • 30. Dezember: Die Ukraine teilt mit, die Schulden seien getilgt. Gazprom wiederum betont, das Geld sei noch nicht eingegangen. Das Unternehmen bereitet einen Lieferstopp vor.
  • 31. Dezember: Die Ukraine hat laut Russland mit 1,5 Milliarden Dollar den Großteil ihrer Milliardenschulden beglichen. Gazprom fordert aber weiter Verzugsstrafen von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar und droht mti Lieferstopp, falls kein neuer Liefervertrag unterzeichnet wird.
  • 1. Jänner 2009: Gazprom dreht der Ukraine den Gashahn komplett zu. Der Konzern pumpt allerdings weiter Gas über die ukrainischen Leitungen nach Westeuropa.
  • 2. Jänner: Gazprom wirft Kiew vor, einen Teil der Transitmengen für Westeuropa zu "stehlen". In Ungarn, Polen und Rumänien kommt weniger Gas an.
  • 5. Jänner: Russlands Regierung weist Gazprom an, rund 65,3 Millionen Kubikmeter Gas nicht durch Pipelines in der Ukraine, sondern zum Beispiel durch Weißrussland und die Türkei pumpen.
  • 6. Jänner: In Deutschland, der Türkei, Bulgarien, Rumänien, Österreich, Griechenland, Mazedonien, Kroatien, Ungarn, Tschechien, der Slowakei kommt es zu Lieferausfällen.  
  • 7. Jänner: Russland stellt seine Gaslieferungen nach Westeuropa über die Ukraine komplett ein. Viele Länder - vor allem in Ost- und Südosteuropa - erhalten erstmals kein Gas mehr über die russischen Pipelines.
  • 8. Jänner: Europas Hoffnung auf eine rasche Lösung der Gas-Krise zerschlägt sich. Russland lehnt einen konkreten EU-Vorschlag zur Entsendung von Beobachtern ab. Der russische Regierungschef Wladimir Putin bezeichnet die prowestliche Führung der Ukraine als unfähig und "hochgradig kriminell".
  • 9. Jänner: Die EU einigt sich mit Russland auf Einzelheiten einer Beobachtermission. Diese sollen überwachen, dass das russische Gas ordnungsgemäß und in voller Menge durch die Ukraine in den Westen gepumpt wird. Die Ukraine, die inzwischen selbst über Engpässe klagt, hatte dem Vorschlag zuvor zugestimmt. Laut der Einigung dürfen Russen in der Ukraine und Ukrainer in Russland den Gas-Transport überwachen.
  • 11. Jänner: Russland und die Ukraine unterzeichnen das Abkommen, das die EU-Beobachtermission regeln soll. Am Abend desselben Tages setzt Russlands Präsident Medwedew unter Hinweis auf einen nicht tragbaren Zusatz unter dem Vertragswerk allerdings wieder aus und verlangt die Streichung der entsprechenden Passage.
  • 12. Jänner: Kiew unterzeichnet das Abkommen ohne den von Russland urgierten Zusatz. Russland kündigt an, seine Gaslieferungen wieder aufzunehmen, sobald auch die Europäische Union das Abkommen noch einmal unterschrieben hat.
  • 13. Jänner: Gazprom liefert ab 8 Uhr früh wieder Gas in den Westen, stellt aber zu Mittag die Lieferungen völlig überraschend wieder ein. Moskau wirft der Ukraine vor, weiterhin für andere europäische Länder gedachtes Gas für eigene Zwecke abzuzweigen, und dass die ukrainische Führung in Sachen Gasstreit von den USA dirigiert werde.

(red/APA/dpa)

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