Gerüchteküche um Fusion

7. Jänner 2009, 17:35
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Angeblich Fusion mit Mediobanca geplant - Institute dementieren

Mailand - Der Bank-Austria-Mutterkonzern Unicredit Group steht wieder im Mittelpunkt der Gerüchteküche. Laut der Mailänder Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore stehe derzeit eine Fusion der Mailänder Großbank mit der Investmentbank Mediobanca zur Diskussion. Die beiden Banken haben prompt darauf die Gerüchte dementiert und vor der Börsenaufsicht Consob beteuert, keinerlei Pläne für ein Zusammengehen zu hegen.

Die Börse hat jedoch die Gerüchte honoriert: Die Kurse der Mailänder Mediobanca legten seit Jahresbeginn über zehn Prozent, jene von Unicredit über fünf Prozent zu. Das Wertpapierhandelshaus Equita Sim kommentiert ein mögliches Zusammengehen positiv.
Italiens größte Investmentbank, die Mailänder Mediobanca, versucht seit gut einem Jahr, im Retailbanking Fuß zu fassen. Unicredit hingegen hat ihr Schwergewicht seit je auf das Retailgeschäft und nicht auf das Investmentbusiness gelegt. Mediobanca weist eine Marktkapitalisierung von 6,5 Milliarden Euro, Unicredit von 26,5 Mrd. Euro auf.
Gemeinsam würden die beiden Banken nicht nur zur größten Bank des Landes avancieren, sondern auch über 15 Prozent Anteile am zweitgrößten Versicherer Europas, an der Generali-Gruppe, halten.

Zweifellos würde eine Fusion auch die Kapitaldecke von Unicredit festigen. Die Mailänder Großbank hat derzeit eine Kapitalerhöhung von drei Mrd. Euro laufen. Mediobanca garantiert die Operation, die eine Unicredit-Aktie mit drei Euro bewertet, gegenüber einem derzeitigen Börsenkurs von zwei Euro. Mehrere institutionelle Investoren erklärten sich bereit, sollte die Kapitalerhöhung ein Flop werden, entsprechende Wandelobligationen zu zeichnen.

Offensichtlich ist die Unzufriedenheit seitens der Unicredit-Großaktionäre: Die Bank hat innerhalb eines Jahres rund 65 Prozent an Börsenwert verloren. Die Dividenden für 2008 werden nicht bar, sondern mit Aktien bezahlt.

Profumos Schicksal

Mailänder Finanzkreisen zufolge hängt die Zukunft von Unicredit und damit auch ihres Chefs Alessandro Profumo von der Entwicklung der Finanzmärkte in den nächsten Monaten ab. Klarheit wird Anfang März erwartet, wenn Unicredit die Ergebnisse 2008 präsentieren wird. "Sollte sich die Finanzsituation nicht neuerdings verschlechtern, müssten die von Profumo eingeleiteten Maßnahmen ausreichen, um die Hürde zu schaffen", so ein Finanzanalyst, der nicht genannt werden will. Angepeilt wird für 2008 eine Kernkapitalquote ("Core Tier 1" ) von 6,7 Prozent. Die kurz vor Jahresende durchgeführten Operationen (Verkauf der Genussrechte an österreichischen Industrieunternehmen, Verkauf von Immobilien und der Anteile am Autobahnbetreiber Atlantia sowie die gegenwärtige Kapitalerhöhung) zielen darauf ab.

Politmachtspiele

Offensichtlich geht es nicht nur um die Kapitalquote, sondern auch um ein politisches Machtspiel. Mediobanca-Präsident Cesare Geronzi war als ehemaliger Chef der Banca Capitalia in nahezu alle großen Finanzskandale des Landes (von Cirio bis zu Parmalat) verwickelt. Obwohl er mehrfach verurteilt wurde, gelang es ihm, sich stets an der Macht zu halten. Er wird als enger Freund von Wirtschaftsminister Giulio Tremonti genannt. Diesem ist der unabhängige Unicredit-Chef Profumo seit jeher ein Dorn im Auge. Vor diesem Hintergrund könnte ein Zusammengehen von Mediobanca mit Unicredit auch politische Unterstützung finden. (tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.1.2009)

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