Europa bis 2010 nicht frei von Masern

7. Jänner 2009, 11:20
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WHO wird Ziel offenbar verfehlen - Niedrige Durchimpfungsrate laut Experten Grund dafür

Frankfurt/Main - Die Masern werden aller Voraussicht nach nicht wie geplant bis zum kommenden Jahr in Europa ausgerottet sein. Der Grund für das Scheitern dieser Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei die Impfmüdigkeit vor allem in Deutschland und vier anderen Ländern, schreiben Experten um den Epidemiologen Mark Muscat vom Kopenhagener Statens Serum Institut im Medizin-Fachblatt "The Lancet".

Auch tödliche Infektionen

Demnach wurden in 32 europäischen Ländern einschließlich der Türkei in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 12.132 Masern-Fälle registriert. 85 Prozent der Erkrankungen entfielen auf Deutschland, Rumänien, Großbritannien, Italien und die Schweiz. Sieben Infektionen endeten tödlich. In Deutschland wurden knapp 2.900 Masernfälle bekannt, die meisten davon im Jahr 2006.

Geringe Durchimpfungsrate als Grund

Den Grund für die vielen Erkrankungen sehen die Experten in den geringen Durchimpfungsraten der fünf Länder. Fast alle Betroffenen waren entweder gar nicht geimpft oder hatten die zwei erforderlichen Vakzinen nicht im vorgesehenen Zeitabstand erhalten. Während die WHO zum Ausrotten der Krankheit eine Durchimpfung von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung empfiehlt, lag der Wert in der Vergangenheit in der Schweiz, Italien und Großbritannien zwischen 80 und 90 Prozent, in Deutschland sogar nur um 70 Prozent. Laut Impfbefürwortern in Österreich ist die Durchimpfungsrate gegen Masern, Mumps und Röteln auch hierzulande noch zu gering. Laut Schätzungen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien sind 15 Prozent jedes Jahrganges nicht oder nicht ausreichend gegen Masern geimpft.

Die Impfmüdigkeit hat nicht nur Folgen für Europa. "Die drängendere Frage ist, wie viel Masern Europa in Länder mit schlechten Gesundheitssystemen und hohen Sterberaten exportiert", schreiben WHO-Mitarbeiter in der gleichen Zeitschrift. "Aus Europa importierte Masernviren haben in Südamerika schon mehrere Ausbrüche verursacht." (APA/AP/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das typische Krankheitsbild von Masern, mit großflächigem Hautausschlag

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