Gewalt überschattet Eintritt in die Souveränität

4. Jänner 2009, 17:20
2 Postings

Zwei große Attentate mit 70 Toten seit Jahresbeginn

Bagdad/Wien - Das neue Jahr hat für den Irak nicht gut begonnen. Zwei große Attentate, eines am Freitag mit 30 Toten und eines am Sonntag mit an die 40, haben die Übernahme der Kontrolle über die Operationen der ausländischen Truppen im Irak, inklusive der US-Truppen, durch die irakische Regierung überschattet.

Beide Attentate tragen die Handschrift von Al-Kaida, die angesichts der verbesserten Sicherheitslage im Jahr 2008 wiederholt als „so gut wie besiegt" bezeichnet worden war. Am Sonntag sprengte sich eine Selbstmordattentäterin vor einem schiitischen Schrein in Bagdad unter Gläubigen in die Luft. Das ist die Art der antischiitischen Gewalt, die im Irak bereits im Sommer 2003 aktuell wurde, mit dem Unterschied, dass heute mehr Frauen als Männer diese Attentate verüben.

Der Anschlag am Freitag hingegen richtete sich gegen eine Versammlung von Notablen des Karaghuli-Stammes im Süden von Bagdad, einem hauptsächlich sunnitischen, aber auch von Schiiten bewohnten Gebiet (so wie auch _der Karaghuli-Stamm mehrheitlich sunnitisch ist, aber einige schiitischen Clans hat). Der Anschlag war eindeutig gegen die „Kollaboration" des Stammes mit der Regierung in Bagdad gerichtet. Viele früher dem sunnitischen Aufstand nahestehenden Stämme haben sich seit 2006, von den USA bezahlt, gegen Al-Kaida gerichtet. Am 31. Jänner finden Provinzwahlen statt, mit denen diese Stämme erstmals auch am politischen Prozess teilnehmen werden. Darum ist in den nächsten Wochen weitere Gewalt zu befürchten.

Barzani kritisiert Maliki

Auch an einer anderen Front war der Jahresbeginn unerfreulich: In einem offenen Brief beschuldigte der Präsident der Kurdischen Regionalregierung, Masud Barzani, „kurzsichtige Chauvinisten und Extremisten in arabischen Kreisen, einige davon in der Zentralregierung", eine Destabilisierung zwischen Arabern und Kurden voranzutreiben. Die Wunden der Vergangenheit - Saddams Verbrechen an den Kurden - begännen wieder zu brennen. Barzani meint damit Premier Nuri al-Maliki selbst, der sich jüngst auch mit dem kurdischen Präsidenten des Irak, Jalal Talabani, Wortgefechte lieferte. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2009)

Share if you care.