Erste Gaslieferprobleme in Europa

2. Jänner 2009, 22:46
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EU überlegt nun doch Vermittlerrolle im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew

Moskau / Wien - Entgegen den Beteuerungen zum Jahreswechsel kommte es im jüngsten Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine nun doch zu ersten Liefereinschränkungen in Europa. Ungarn berichtete am Freitagabend ebenso von einem verringertem Gasdruck wie Rumänien und Polen.

Der russische Energiekonzern Gasprom räumte ein, einige Balkan-Länder litten bereits unter verringerten Lieferungen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen vor möglichen Problemen gewarnt und erklärt, die Ukraine wolle nicht die von Russland geforderte Gasmenge für Samstag durchleiten. Zudem habe die Ukraine eingeräumt, für Europa bestimmtes Gas abgezweigt zu haben.

Tschechien, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, hatte zunächst der Forderung der Ukraine nach einer Vermittlerrolle der EU eine Absage erteilt. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die tschechische EU-Ratspräsidentschaft nun doch für Montag die Gesandten der EU-27 zu einem außerordentlichen Gespräch nach Brüssel einberufen. Der Handelsstreit um Gaslieferungen von der Russischen Föderation in die Ukraine müsse "dringend" beigelegt werden, hieß es in einer Erklärung.

Italien will Energiegipfel

Italien will angesichts des neuen Gasstreits  als neuer G-8-Vorsitzender einen Energiegipfel einberufen. An dem Treffen sollten nicht nur die in der G-8 organisierten sieben führenden Industriestaaten und Russland teilnehmen, sondern auch andere Länder, sagte der  Außenminister Franco Frattini am Freitag.

Indes wirbt die Ukraine in der Europäischen Union für ihre Position. Eine Delegation unter Energieminister Jurij Prodan bereiste am Freitag Prag und Bratislava. Präsident Wiktor Juschtschenko versicherte in einem Brief an Bundeskanzler Werner Faymann sowie an die Staatschefs Italiens, Deutschlands, der Slowakei, Ungarns, Frankreichs, Tschechien und der USA, dass die Ukraine die Verhandlungen mit Russland wiederaufnehmen werde. Bis 7. Jänner soll ein neuer Liefervertrag geschlossen werden.

Wegen eines Streites rund um einen höheren Gaspreis (Gazprom wollte in einem neuen Vertrag die Preise ursprünglich um rund 40 Prozent auf 250 Dollar pro 1000 Kubikmeter erhöhen) und unbezahlten Rechnungen hatte Russland am Neujahrsmorgen der Ukraine das Gas abgedreht.

Beide Länder hatten aber versichert, weiter Gas für die europäischen Länder einzuspeisen bzw. durch die Pipelines nach Westen weiterzuleiten. Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über Leitungen durch die Ukraine. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zwischen Russland und der Ukraine zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt. (ved, Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2009)

 

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