Air France gewinnt Poker

2. Jänner 2009, 10:47
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Die seit einem Jahr laufende Privatisierung der Alitalia ist abgeschlossen. Air France-KLM übernimmt 25 Prozent der Anteile zum Preis von 300 Millionen Euro

Mailand - Die neue Alitalia hat Air France-KLM zum Partner gewählt. Am 9. Jänner soll der Air France-KLM Verwaltungsrat die Fusion absegnen. Das zwischen Alitalia und Lufthansa, dem "Wunschpartner" von Regierungschef Silvio Berlusconi, für den 5. Jänner vereinbarte Treffen wurde abgesagt.

Die Franzosen sollen rund 300 Millionen Euro für 25 Prozent der Alitalia-Anteile zahlen. Damit wird die neue Alitalia mit rund 1,2 Mrd. Euro bewertet. Der Preis liegt um 150 Millionen Euro höher, als das Investorenkonsortium CAI vor gut einem Monat für die Flugsparte der Alitalia ausgegeben hat. Nach Berichten der römischen Tageszeitung La Repubblica wird Air France-KLM im Aufsichtsrat der Alitalia mit drei Sitzen und im Exekutivausschuss mit zwei Sitzen vertreten sein.

Neun Monate nachdem die Privatisierung der Alitalia und die Fusionsverhandlungen der damaligen Mitte-links-Regierung von Romano Prodi mit Air France-KLM gescheitert sind, feiert die französische Fluggesellschaft ihr Comeback in Italien. Allerdings haben sich die Bedingungen für die italienische Staatskasse verschlechtert: Diese wird zusätzlich mit drei Mrd. Euro belastet, da der Staat die Schulden und die defizitären Teile der alten Alitalia übernehmen und für die rund 7000 Entlassungen und Vorpensionierungen der Alitalia-Beschäftigten aufkommen muss. Zwar wird Alitalia vorerst "italienisch" bleiben. Die CAI-Aktionäre können ihre Anteile erst in fünf Jahren abgeben, sollte nicht eine "Sonder-Entscheidung" seitens der Mehrheit der Aktionäre den Verkauf vorziehen.

Fusion mit Air One

Inzwischen hat die neue Alitalia auch die Fusion mit der zweitgrößten Fluggesellschaft des Landes, Air One, abgeschlossen. Das Management der Air One teilte am Freitag mit, das Geschäft mit der Investorengruppe unter Leitung des Piaggio-Vorstandschefs Roberto Colaninno sei perfekt. Air One bringt 60 Millionen Euro und 58 Flugzeuge in die neue Alitalia ein. Weitere 81 Airbus-Flugzeuge von Air One sollen mittel Leasing-Verträgen genutzt werden.

Die Investorengruppe, der auch Air-One-Chef Carlo Toto angehört, soll die Alitalia am 13. Jänner übernehmen und mit einer umfassenden Sanierung starten. Damit verbunden ist ein kräftiger Jobabbau von 20.000 auf 12.650 Beschäftigte. Mit einer Flotte von insgesamt 148 Flugzeugen sollen täglich 76 Flugstrecken bedient werden.

Zur Diskussion steht noch die Zukunft des Mailänder Airports Malpensa. Im CAI-Geschäftsplan sind 13 interkontinentale Flüge pro Tag von Rom-Fiumicino und nur drei von Mailand-Malpensa vorgesehen. Dies würde der Lufthansa zugute kommen. Denn die zu Jahresbeginn 2009 neugegründete Gesellschaft Lufthansa Italia will von Mailand nicht nur den europäischen, sondern auch den interkontinentalen Flugverkehr ausbauen. (Thesy Kness-Bastaroliaus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2009)

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