Papst: Homosexualität "zerstört das Werk Gottes"

23. Dezember 2008, 18:11
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Kaum beachtet von der Öffentlichkeit, hat Papst Benedikt XVI. in einer Rede vor der römischen Kurie den Schutz des Menschen vor Homosexualität mit dem Schutz des Regenwaldes gleichgesetzt

"Die Regenwälder verdienen unseren Schutz. Aber der Mensch als Geschöpf verdient nicht weniger." Mit diesen Worten rief Papst Benedikt XVI. am Montag in seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie, den Angehörigen der zentralen Vatikan-Verwaltung, in Rom dazu auf, die Menschheit vor homosexuellem oder transsexuellem Verhalten zu schützen.

Es war der bisher schärfste Vorstoß des deutschen Papstes gegen Homosexualität. Die Kirche solle "den Menschen vor der Selbstzerstörung schützen, eine Art Ökologie des Menschen ist notwendig" , sagte Benedikt XVI. Die Menschheit müsse "der Sprache der Schöpfung zuhören" , um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Sexuelles Verhalten jenseits der heterosexuellen Beziehungen sei "eine Zerstörung des Werks Gottes" . Es sei das Recht der Kirche, "von der menschlichen Natur als Mann und Frau zu sprechen und zu bitten, dass diese Schöpfungsordnung respektiert wird" .

Nach katholischer Lehre ist Homosexualität an sich nicht Sünde, wohl aber dann, wenn sie praktiziert wird. Der Vorstoß des Papstes ist offensichtlich die Antwort auf eine französische UNO-Initiative zur Entkriminalisierung der Homosexualität. Liberale und sozialdemokratische Abgeordnete haben vor wenigen Tagen ihrerseits die Haltung des Vatikans zu dieser Initiative kritisiert. Der italienische Abgeordnete Vittorio Agnoletto forderte die EU-Institutionen in Straßburg auf, den Apostolischen Nuntius bei der EU einzubestellen, damit er die Haltung des Heiligen Stuhls erläutere.

Unter Todesstrafe

Frankreich will im Namen aller EU-Mitglieder der UNO ein Projekt zur weltweiten Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität vorlegen. Nach Angaben der französischen Menschenrechtsstaatssekretärin Rama Yade steht Homosexualität noch in 80 Staaten unter Strafe, und in sechs Ländern werde dafür die Todesstrafe verhängt.

Eine Erklärung gegen die Diskriminierung Homosexueller fand in der UNO-Vollversammlung aber nicht die nötige Mehrheit.

Nur 66 der 192 UN-Mitglieder unterzeichneten am Donnerstag die Erklärung, die einen Stopp der Menschenrechtsverletzungen gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle forderte. Auch die USA unterstützten das Dokument nicht, das ohnehin nicht bindend gewesen wäre.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hatte am Vortag angekündigt, die EU-Kommission werde in ihren Menschenrechtsverhandlungen die Entkriminalisierung der Homosexualität zum Thema machen. Dabei müssten aber die jeweils geltenden Sitten berücksichtigt werden. (Reuters, APA, dpa, red, DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2008)

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