Ukraine: Trauriger Rekord bei Inflation

22. Dezember 2008, 18:50
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Befürchtungen, dass es zum Jahreswechsel wieder einem Gas-Lieferstopp kommt

Kiew/Wien - Die Ukraine kommt weder politisch zur Ruhe noch wirtschaftlich. Die Inflation für 2008 wird höher liegen als die Inflation in den Krisenjahren 1998 und 1999, sagte der stellvertretende Ukrainische Ministerpräsident Oleksandr Turchynov der Nachrichtenagentur Interfax. Im heurigen Jahr stieg sie auf 25,8 Prozent, gut fünf Prozentpunkte höher als 1998 und 1999.

Auch das frische Kapital des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Anfang November einen Stand-by-Kredit in Höhe von 16,4 Milliarden US-Dollar (11,7 Mrd. Euro) bereitstellte, hat bisher nichts genutzt: Die ukrainische Währung, die Hryvna befindet sich in einer Abwärtsspirale und verlor allein in der letzten Woche gegenüber dem Dollar 16 Prozent seines Wertes. Seit Mitte des Jahres hat die ukrainische Währung 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Mittlerweile bilden sich lange Schlangen vor den Wechselstuben; ausländische Valuten werden mittlerweile aber knapp.

Befürchtet wird, dass sich an der prekären Situation nicht so schnell etwas ändert, obwohl die Ukrainischen Wirtschaftsforscher laut Turchynov für das nächste Jahr hoffnungsvoll von einer Rate von 9,5 Prozent sprechen. Laut Kiewer Post prognostiziert die Weltbank im nächsten Jahr eine Inflation von 15,3 Prozent.

Vor allem wird befürchtet, dass der fast schon traditionelle Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland Anfang Jänner wieder hochkommen könnte. Laut Handelsblatt hat der russische Gasförderer Gasprom in der vergangenen Woche damit gedroht, dem Nachbarland ab Jänner kein Gas mehr zu liefern, wenn die Regierung in Kiew ihre Schulden bis Ende des Jahres nicht begleichen kann. In Summe handelt es sich dabei um Schulden von zwei Mrd. Dollar (1,37 Mrd. Euro), so ein Gasprom-Sprecher. Seit drei Jahren kommt es zum Jahreswechsel, wenn die Gas-Schulden der Ukraine beglichen werden müssen, zu Streit zwischen den beiden Ländern. Ein solcher Streit könnte sich auch negativ auf die Versorgung der Europäischen Union auswirken, warnte der Vorsitzende des Gasprom-Direktorenrats, Viktor Zubkow. Da die EU fundamentales Interesse an reibungslosen Gas-Lieferungen haben, hat die Kommission am Montag angekündigt, die Ukraine beim Ausbau seiner Gas-Transitleitungen finanziell unterstützen zu wollen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.12.2008)

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    Wegen der hohen Inflation gehen die Ukrainer mit ihrem Lohn sofort zu den Wechsel- stuben.

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