Stauzone Ost, kaum ein Entkommen ist möglich

5. März 2003, 12:45
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Verkehrshölle Ost: Streit um den Semmeringtunnel hält an - Mit Grafik

Dem Semmering könne man nicht ausweichen, meinen die Experten des Verkehrsclubs Österreich: Als Frächter, weil die alternative Bahnstrecke durch Osteuropa unattraktiv sei. Und als Planer: Der Basistunnel nämlich sei ein Muss.

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St. Pölten - Totgesagte leben länger. Und so widersprach Wolfgang Rauh von der Umweltschutzorganisation Verkehrsclub Österreich (VCÖ) der in Niederösterreich und der gesamten Ostregion herrschenden Expertenansicht, wonach der Bau des Semmeringbasistunnels für die Bahn absolut verzichtbar sei.

Ohne den Tunnel, dessen weiterführende Planung durch einen Bescheid der niederösterreichischen Naturschutzbehörden blockiert ist, werde - so Rauh - der östlichste Alpenpass zu einer Lkw- Transithölle mutieren: "Schon im Jahr 2010 werden am Semmering mehr Lkw unterwegs sein als heute am Brenner", warnte er.

Unter anderem deshalb, weil der transkontinentale Korridor Fünf, der als Alternativstrecke für Güterzüge auf dem Weg in Adriahäfen gehandelt wird, "im Vergleich zur Alpenquerung durch Österreich nicht attraktiv ist". Und die - nach der Osterweiterung zunehmende - Zahl von Frächtern deshalb auf Lkw umsteigen würden.

Dieser Ansicht kann sich Friedrich Zibuschka, oberster Verkehrsplaner des Landes Niederösterreich, nicht anschließen. Auch ohne Basistunnel würden auf dem Semmering für zusätzliche Güterzüge noch Kapazität genug bestehen. Diese benötigten über den Pass lediglich "eine halbe Stunde Fahrzeit länger, als sie durch den Tunnel bräuchten". Alles in allem, so Zibuschka: "Der Bau des Tunnels lohnt sich nicht".

EU-Pendler in Maßen

Auch für die vom VCÖ eingeforderte Eile beim Ausbau der Bahnverbindungen in Richtung EU-Erweiterungsstaaten, um eine zunehmende Zahl von Pendlern transportieren zu können, sieht der Landesverkehrsexperte keinen Anlass: "Die Ostbahn und die Strecke in Richtung Bratislava wurden schon ausgebaut, an der Verbindung zwischen Mistelbach und Laa wird gearbeitet". Außerdem: "Die Zahl der Pendler wird sich in Maßen halten. Im Einzugsbereich gibt es - außer Wien und Bratislava - nur mittelgroße Städte". (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2003)

  • (Grafik zum Vergrößern)Bahnwege durch und rund um Österreich: Die am Semmering beginnende Alpenquerung Richtung Süden steht mit dem "Korridor fünf" in Konkurrenz, der durch Ungarn nach Slowenien führt.
    grafik: der standard

    (Grafik zum Vergrößern)

    Bahnwege durch und rund um Österreich: Die am Semmering beginnende Alpenquerung Richtung Süden steht mit dem "Korridor fünf" in Konkurrenz, der durch Ungarn nach Slowenien führt.

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