Generali droht Übernahmeschlacht

2. März 2003, 20:40
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In Italiens Finanzwelt ist der Teufel los - Der in Österreich stark vertretene Versicherer steht im Zentrum eines Machtspiels

Europas drittgrößtem Versicherer, Assicurazioni Generali, droht ein Übernahmekampf. Nachdem die dynamische Mailänder Großbank Unicredito am Wochenende eine zweiprozentige Beteiligung bei Generali bekannt gegeben hat, ist in Italiens Finanzwelt der Teufel los.

Unicredito-Chef Alessandro Profumo begründete die Beteiligung damit, den "italienischen Charakter" des Versicherers zu wahren. Denn es herrscht kein Zweifel, dass der größte Generali-Einzelaktionär, die Mailänder Investmentbank Mediobanca, zusammen mit dem von ihm eingesetzten Generali-Präsidenten Antoine Bernheim den französischen Übernahmeinteressenten zuarbeitet.

Bernheim und der französischen Raider Vincent Bolloré stehen u. a. den französischen Versicherungsgruppen Axa und Groupama nahe. Der erst vor wenigen Monaten von der Mediobanca eingesetzte Generali-Präsident Bernheim will auch die Generali-Statuten ändern: So soll der Präsident künftig für drei Jahre und nicht wie bisher nur für ein Jahr bestellt werden. Das würde Bernheim genügend Spielraum geben, seine französischen Freunde ohne feindliche Übernahmeschlacht bei Generali "Schritt für Schritt" wachsen zu lassen. Mediobanca und ihre Alliierten halten angeblich bis zu 18 Prozent des Kapitals.

Machtspiel

Am österreichischen Markt ist der italienische Versicherer über die Generali Versicherungs AG und die Interunfall stark vertreten.

Generali ist nicht nur das Herz der norditalienischen Hochfinanz, sondern auch Aushängeschild für deren Internationalität. 70 Prozent des Kapitals sind an der Börse gestreut. Längst schon ist das arrogante Machtspiel der Mediobanca mit ihrem kontinuierlichen Präsidentenwechsel bei Generali der Zentralbank in Rom ein Dorn im Auge. Zentralbankchef Antonio Fazio bekräftigte, dass der italienische Charakter des Versicherers unter allen Umständen bewahrt werden müsse. Die Zentralbank, mit knapp fünf Prozent an Generali beteiligt, wird mit dieser These auch von anderen Großbanken unterstützt.

Regierungschef Berlusconi, der über den Finanzdienstleister Mediolanum selbst Anteile an Mediobanca hält, vertrat bisher stets die Interessen der Mailänder Investmentbank. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.3.2003)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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