Anthropologe rechnet mit vermehrten Schuhattacken

15. Dezember 2008, 18:01
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Wie bei der Tortungen von Politikern gehe es nicht darum, das Opfer zu verletzen, sondern darum, ein Zeichen des Widerstandes zu setzen

Wien - Tortungen von Politikern kommen regelmäßig vor, an "Schuhungen" kann sich der Kulturanthropologe Klaus Schönberger, der in Hamburg über "Kommunikationsguerilla" forscht, nicht erinnern. "Der Erfolg der Schuhattacke auf George Bush liegt darin, dass es gelungen ist, einen übermächtigen Gegner anzugreifen" , sagt Schönberger im STANDARD-Gespräch. Wie bei der Torte gehe es beim Schuhangriff nicht darum, das Opfer zu verletzen, sondern darum, ein Zeichen des Widerstandes zu setzen. Wobei es doch einen Unterschied gibt: "Die Torte soll entstellen, lächerlich machen, der Schuh dagegen primär beleidigen" .

Dass bereits am Montag bei anti-amerikanischen Protesten in Bagdad Schuhe geschwenkt wurden, wundert Schönberger, der gerade einen Aufsatz über die Geschichte der Tortungen publiziert, nicht: "Weil sie geklappt hat, dürfte sich die Attacke bereits in die irakischen Erzählkollektive eingeschrieben haben." Dabei könnten nun, nach all der medialen Aufmerksamkeit, Schuhungen von Politikern weit öfter vorkommen.

Übrigens sind Schuhe in der hohen Politik nicht ganz neu, der prominenteste Vorfall bis Sonntag datierte aus dem Jahr 1960: Damals soll der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow angeblich bei der UNO-Vollversammlung vor Wut mit seinem Schuh auf einem Pult gehämmert haben. (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2008)

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