E-Voting bei ÖH-Wahlen: Experten skeptisch

15. Dezember 2008, 12:28
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Verfassungsjurist Mayer: "Fehleranfälliger als bisherige Abwicklung" - Informatiker kritisiert offensichtliche Sicherheitslücken bei E-Card-Aufrüstung

Die schon längerandauernde Diskussion rund um E-Voting, das bei den nächsten ÖH-Wahlen erstmals erprobt werden soll, könnten nun indirekt zur vorzeitigen Abwahl des ÖH-Chefs Samir Al-Mobayyed führen. Immer wieder wird von Seiten einiger Fraktionen argumentiert, dass bei elektronischen Wahlen das freie und geheime Wahlrecht nicht zu 100 Prozent gewährleistet sei.

Keine Gefahr der Manipulation sieht der Grazer Informatiker Reinhard Posch, der für die Plattform "Digitales Österreich" der Bundesregierung zuständig ist. "E-Voting ist sicher schwerer manipulierbar als Wahlen in der realen Welt, weil die Spuren schwerer zu verwischen sind", so Posch im Gespräch mit der APA. "Ich würde es begrüßen, wenn die ÖH-Wahl mit guter Beteiligung elektronisch umgesetzt wird." Dies sei wichtig für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Außerdem sollen die ÖH-Wahlen als Testlauf dienen, um die bei Nationalrats- oder Landtagswahlen benötigten Ressourcen zu berechnen. Ein solcher Einsatz ist laut Posch aber wegen der rechtlichen Situation nicht vor 2018 möglich, auch weil das nötige elektronische Wahlregister fehlt.

"Kein Grund zu Veränderungen"

Verfassungsjurist Heinz Mayer steht E-Voting kritisch gegenüber. Bei den ÖH-Wahlen diene diese "von oben verordnete Maßnahme" nur der Vorbereitung für einen Einsatz bei Nationalratswahlen. "Aber es gibt überhaupt keinen Grund Veränderungen herbeizuführen, die noch dazu sicher fehleranfälliger sind als die derzeitige Abwicklung", kritisierte Mayer auf Anfrage der APA. Wahlmanipulation sei bei E-Voting im deutlich größeren Stil möglich und nur die wenigen Experten mit Einblick in das Wahlsystem könnten diese nachzuvollziehen. Dabei sei die Akzeptanz eines Wahlergebnisses mindestens so wichtig wie dessen Korrektheit. "Derzeit wird bei uns das Wahlergebnis überhaupt nicht infrage gestellt. Ein knappes Wahlergebnis beim E-Voting würde für große Unsicherheit sorgen", sagte Mayer.

"Keine Kontrolle bei E-Voting"

Ähnlich argumentiert der Wiener Informatiker Peter Purgathofer. Die derzeit mögliche Kontrolle falle beim E-Voting weg. "Wir müssten dem Experten glauben, dass unsere Stimme tatsächlich gezählt wird und keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden." Auch das Angebot an die ÖH-Wahlkommission, die Software vorab einzusehen, bringe keine Sicherheit: "Bei einer Kontrolle sehe ich nur, was mir der Experte zeigen will. Und es gibt keine Garantie, dass die Software die gesamte Wahl über läuft, bzw. nicht ausgetauscht wird, etc."

Einer von Purgathofers Studenten, Konstantin Hofstetter, hat das per Bürgerkarte abgewickelte E-Voting auf Sicherheitslücken abgeklopft - und auf der betreffenden Internetseite bereits eine entdeckt. Zwar könne man nicht auf das Zentralregister zugreifen, aber Personendaten wie Name, Geburtsdatum etc. mitlesen. "Ein System ist immer nur so sicher wie die Seite, die es nutzt", warnte Hofstetter.

Lesbare Passwörter und unverschlüsselte Daten

Kritik übte er auch an der Kampagne an den Unis, bei der Studenten die E-Card seit Oktober und noch bis Jänner von einer Gruppe von Studenten ("Tutoren") kostenlos um die Funktion der elektronischen Signatur erweitern lassen können. "Der Datenschutz dabei hätte nicht schlechter sein können", so Hofstetter. Die Daten der Interessenten - inklusive lesbarer Passwörter - seien auf den Laptops der Tutoren unverschlüsselt als PDF gespeichert und per Mail an diese geschickt worden. "Verliert jemand einen PC, sind alle Daten einsehbar." Beim zusätzlich gratis an die Studenten verteilten Kartenlesegerät mit Sicherheitsklasse eins von drei muss der Code über den PC eingegeben werden. Man könne daher bei der Wahl eine Software zwischenschalten und die Codes abfangen, so Hofstetter. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Herkömmliche Wahlkabine haben bei der nächsten ÖH-Wahl ausgedient.

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