Großes Zittern bei Madoff-Kunden

14. Dezember 2008, 17:59
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Die Liste der Opfer des US-amerikanischen Milliardenschwindlers wird täglich länger. Darunter sind Schweizer Banken ebenso wie die Schönen und Reichen von Palm Beach

Harry Markopolos dürfte eine späte Genugtuung verspüren. 1999 warnte der Investmentbanker das erste Mal die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) vor den undurchsichtigen Geschäften seines Kollegen Bernard Madoff. "Madoff Securities ist das weltgrößte Schneeball-System" , schrieb Harry Markopolos an die Börsenaufsichtsbehörde. Er drängte die SEC über Jahre, Madoffs Firma strenger in Augenschein zu nehmen. Doch außer zwei Untersuchungen, die 2007 ohne Konsequenzen abgeschlossen wurden, geschah nichts.

Bis vergangenen Freitag, als Madoff (70) in New York verhaftet wurde. Alles sei eine "ganz große Lüge", hatte er seinen Söhnen zuvor anvertraut und ein einziges "gigantisches Schneeball-System" .

Europäische Kunden

Der Schwindel, im Amerikanischen auch "Ponzi Scheme" genannt, könnte die Anleger 50 Mrd. Dollar kosten. Unter ihnen: Schweizer Privatbanken wie die in Genf ansässige Union Bancaire Privée, die angeblich bis zu einer Mrd. Schweizer Franken verlor. Hohe Summen muss wohl auch Reichmuth Matterhorn, der Dach-Hedgefonds der Luzerner Privatbank Reichmuth, abschreiben. Betroffen sind vor allem vermögende Privatkunden in den USA wie auch in der Schweiz, aber auch die Pensionskasse von Fairfield, einer Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut.

Markopolos war angeblich nicht der Einzige, dem die Investitionsstrategie nicht geheuer war. Joe Aaron, ein langjähriger Hedgefonds-Experte, warnte bereits 2003 einen Kollegen, von Madoffs Fonds die Finger zu lassen. Er wunderte sich, warum Madoff als simpler Wertpapierhändler fungierte, wenn er mit einem regulären Hedgefonds eine Menge mehr Profit gemacht hätte.

Mit ein Grund dürfte sein, dass sich Madoff nicht in die Karten schauen lassen wollte. Sein Fonds, der in einem Mini-Büro auf einem anderen Stockwerk im gleichen Bürogebäude wie sein Wertpapierhandel operierte, beschäftigte angeblich nur zwei weitere Personen: einen 78-jährigen Angestellten, der in Florida residierte, und eine Sekretärin. "Es gab keine konkreten Beweise", erklärte Jim Vos von der Beraterfirma Aksia gegenüber dem Wall Street Journal, "aber man muss sich wundern, warum niemand die Warnungen ernst nahm." Vor allem, da nach jüngsten Dokumenten der SEC Madoffs Firma nur Anlagewerte in Höhe von einer Mrd. Dollar angab. Wo der Rest des Geldes geblieben war, fragte sich niemand.

Strategie "zu kompliziert"

Auch die Presse hatte in mehreren Artikeln seit 2001 die Investitionsstrategie des ehemaligen Vorsitzenden der Computerbörse Nasdaq hinterfragt. Madoff wich den Fragen der Reporter regelmäßig mit dem Argument aus, dass seine Firma einer regelmäßigen Prüfung unterzogen werde und seine Strategie zu kompliziert für Außenstehende sei. Wer keine Fragen stellte, waren die Privatkunden, die dem diskreten Charme des Bankers ihre Millionen anvertrauten. Madoff hatte über Jahre auf den exklusiven Golfplätzen und Countryclubs in Florida, Colorado oder Connecticut eine Reihe von Investoren herangezogen. Diese Liste, vom Hauch der Exklusivität umgeben, war sein bestes Marketing.

Richard Spring aus Florida ist Madoff-Kunde. Der ehemalige Investment-Analyst will Millionen Dollar zur Geldvermehrung anvertraut haben, 95 Prozent seines Vermögens. Unter den Opfern sind professionelle Hedgefonds wie Maxam Capital.

In Österreich wurde, wie berichtet, seit Mitte der 90er-Jahre der von Madoff gemanagte "Primeo Select Fund" von der Bank Austria vertrieben. (Rita Neubauer aus Palo Alto, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2008)

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    Im Foyer des Madoff'schen Bürogebäudes versammelten sich am Wochenende Kunden, die um ihre Einlagen fürchten.

     

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