Die "Blutdiamanten" von Chiadzwa

    12. Dezember 2008, 16:37
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    Tausende illegale Bergarbeiter suchen auf den Diamantfeldern Simbabwes nach zusätzlichem Einkommen - Die Regierung geht mit Gewalt gegen sie vor

    Hopewell war unter den ersten, der sein Glück auf den Diamantenfeldern Chiadzwas versuchte. Der junge Student ist einer von vielen illegalen Bergarbeitern, die in die östliche Provinz Manicaland kommen, um dort Edelsteine zu finden.

    Die Diamantenfelder rund um Chiadzwa, rund 32 Kilometer nordwestlich der Stadt Mutare, ziehen vor allem arme und junge Menschen an. Die Steine, die sie finden, lassen sich für ein paar hundert Dollar verkaufen. Viele der Arbeiter sind Lehrer, Beamte, Studenten und Bauern. Allesamt suchen sie nach neuen Verdienstmöglichkeiten, um ihre Familien und Angehörigen zu ernähren.

    Helikopter, Maschinenpistolen, Hunde und Tränengas

    Der Diamanten-Konzern De Beers hatte sich 2006 aus Chiadzwa an der Grenze zu Mozambique zurückgezogen, "Zimbabwe Mining Development Corporation" erhielt danach die  Schürflizenz. Seit 2007 ist das Gebiet eine Schutzzone. Die Regierung will nun die Kontrolle über das Gebiet und die Diamantenvorkommen wiedererlangen. Seit Wochen fährt sie daher eine grausame Kampagne gegen die illegalen Arbeiter.

    Vor rund einem Monat flog die Luftwaffe Simbabwes über die Felder mähte dutzende Menschen mit ihren Maschinenpistolen nieder. "Danach kam die Polizei mit ihren Hunden, die sich im Fleisch der Arbeiter verbissen, einige töteten, andere verstümmelten. Und mit Tränengas brachte die Polizei die restlichen Minenarbeiter aus ihren Verstecken - um sie zu erschießen", wie ein Arbeiter im Guardian sagt.

    „Die Polizei wartete mit ihren Hunden auf uns", schildert Hopewell den Einsatz. „Aber ich hatte Glück. Eine Frau war langsamer als ich, und das Tier hat sie erwischt. Ich weiß nicht, was mit ihr passiert ist. Ich hab sie nie wieder gesehen."

    "Operation Hakudzokwi"

    Wie viele Menschen bei der „Operation Hakudzokwi" genau gestorben sind, ist nicht bekannt. Minenarbeiter sagen, es waren hunderte. Die Oppositionspartei „Movement for Democratic Change" (MDC) gibt an, die Namen von 140 Menschen zu kennen, die ermordet wurden. Allerdings wurden viele anonym beerdigt. Einige der Leichen werden nach wie vor im Mutare-Spital aufbewahrt.

    Die Situation eskaliert nun. Die Bergleute bewaffnen sich und schlagen zurück. Einige Polizeibeamte sollen schon getötet worden sein, heißt es im The Herald, der staatlichen Tageszeitung.

    Wirtschaftsfachleute gehen davon aus, dass für die Elite Simbabwes die Diamanten eine wichtige Quelle für Staatseinnahmen darstellen. Aber angesichts der bitteren Erfahrung der vergangenen Jahre haben die Menschen in Simbabwe wenig Hoffnung darauf, dass die Erträge aus den Diamantenminen auch wirklich ihnen zugute kommen. Viele nehmen ihr Schicksal daher selbst in die Hand.

    "Die Risiken sind es wert," sagt Hopewell. "Ich habe nun mehr Geld als nach fünf Jahren Arbeit. Meinen Eltern konnte ich Essen besorgen, und für mich einen Fernseher und eine DVD aus Südafrika. Als nächstes möchte ich mir ein Auto kaufen. Wenn sie mich nicht vorher umbringen", fügt er hinzu. (red/derStandard.at, 11.12.2008)

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      Der Abbau von Diamanten ist sehr aufwendig. Durchschnittlich 250 Tonnen Gestein müssen bearbeitet werden um einen einzigen Schmuckdiamanten zu gewinnen.

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