Schönwetter machen in Jerusalem

15. Dezember 2008, 18:44
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Die Friedenschancen in Nahost, die Beziehungen mit Österreich, aber vor allem der Iran waren die Programmschwerpunkte beim Besuch von Bundespräsident Heinz Fischer

Zwei alte Freunde begegneten einander am Montag in Jerusalem. "Wenn ich hier an deiner Seite stehe, sehr geehrter Herr Präsident, geht mir sehr viel durch den Kopf" , sagte Österreichs Staatsoberhaupt Heinz Fischer nach dem Abschreiten der Ehrenkompanie auf Deutsch zu seinem israelischen Amtskollegen und erinnerte an "den Moment, als du den Nobelpreis bekommen hast" , an viele Konferenzen und viele Gespräche.

Der 85-jährige Shimon Peres sprach von einer "nicht nur formalen, sondern persönlichen Freude" und von einem viele Jahre währenden gemeinsamen Weg als "zwei Sozialdemokraten" . Ganz im Kontrast zu dem groß aufgezogenen Empfang bei Peres stand Fischers gut abgeschirmte Begegnung mit Israels scheidendem Premier Ehud Olmert. Seit Korruptionsermittlungen gegen ihn laufen, weicht Olmert Fragen aus, weshalb sich auch Fischer in die Premierkanzlei nicht von Journalisten begleiten lassen konnte.

Auch aus der Tagesaktualität bekam Fischer gestern mit, wie verfahren und verwirrend der israelisch-palästinensische Konflikt ist. Mit der Freilassung von weiteren 224 palästinensischen Gefangenen wollten die Israelis Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stärken. In Israel gab es Proteste gegen diese Geste, während sie aus palästinensischer Sicht angesichts von insgesamt 11.000 Häftlingen nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellt.

Ende des Waffenstillstandes

Kurz zuvor hatte der Hamas-Führer Khaled Maschal angekündigt, dass seine Organisation den für den Gazastreifen geltenden partiellen Waffenstillstand nicht verlängern wolle. Die informelle Vereinbarung war am 19. Juni in Kraft getreten und sollte nach Auslegung der Islamisten für ein halbes Jahr gelten, also am kommenden Freitag ablaufen. Aus israelischer Sicht hingegen gibt es kein Ablaufdatum. "Der Schlüssel ist nicht in unserer Hand, sondern in der Hand der Hamas" , sagte Peres nach dem Treffen mit Fischer vor der Presse. "Wenn sie nicht schießen, gibt es kein Problem, und niemand muss leiden - wir wollen nicht, dass Gaza brennt, sondern dass es blüht."

Fischer registrierte indessen, dass für Israel "der Iran, der vor einigen Jahren nur ein Problem unter anderen war, heute das Problem Nummer eins ist." Doch "was für die Israelis beruhigend sein sollte" , so Fischer zum Standard, "ist die Tatsache dass die internationale Gemeinschaft ziemlich geschlossen ist und dass Amerikaner, Russen, Europäer, Chinesen keinen Iran mit Atomwaffen wollen" . Auf die Iran-Geschäfte der OMV sei er zunächst nicht angesprochen worden, "aber wir haben uns gut vorbereitet".

Zum Verhältnis zwischen Österreich und Israel vertrat Peres schließlich die Ansicht, dass es Höhe- und Tiefpunkte gegeben habe. Der Staatsbesuch Fischers jedenfalls sei hoch einzuschätzen. (Ben Segenreich aus Jerusalem/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2008)

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    "Nicht nur formale, sondern persönliche Freunde" : Israels Staatschef Shimon Peres mit Bundespräsident Heinz Fischer am Montag in Jerusalem.

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