Chinesen gehen auf Schnäppchen-Jagd

10. Dezember 2008, 14:03
8 Postings

Rund 300 Chinesen fahren im Rahmen einer organisierten Reise im Jänner durch die USA auf der Suche nach günstigen Immobilien

Die sinkenden Immobilienpreise in den USA locken Schnäppchenjäger aus China an: Rund 300 Chinesen fahren im Rahmen einer organisierten Reise im Jänner durch die USA, um sich nach günstigen Objekten umzusehen, wie Liu Jian, Manager des chinesischen Immobilienportals Soufun.com und Organisator der Reise. "Manche Leute glauben, dass der Wirtschaftsabschwung in den USA eine Gelegenheit für sie ist, weil die Hauspreise gefallen sind", sagte Liu der Nachrichtenagentur AFP.

Der zehntägige Trip, der umgerechnet rund 1.750 Euro kostet, soll unter anderem in die Metropolen New York, Los Angeles und San Francisco führen. Laut der staatlichen chinesischen Zeitung "China Daily" handelt es sich bei 40 Prozent der Teilnehmer um professionelle Investoren. Die restlichen 60 Prozent suchten nach einem Heim für ihre Kinder, die in die USA zum Studieren gehen wollten.

Zwar dürften Chinesen bei Reisen in die USA maximal 50.000 Dollar (rund 40.000 Euro) mit sich führen. Viele potenzielle Immobilienkäufer seien aber oft genug in die USA gereist, um dort über ausreichend Vermögen zu verfügen.

Infarkt einer Branche

Der Ausverkauf auf dem US-Immobilienmarkt steht am Ende einer verheerenden Finanzkrise. Begonnen hat alles mit dem Traum vom Eigenheim von immer mehr US-Bürgern, der von der Politik zunächst massiv gefördert wurde. Bis 2006 erlebten die USA somit einen beispiellosen Immobilienboom. "Haus auf Pump kaufen und bald mit Gewinn verkaufen" - nach diesem Prinzip nutzten immer mehr Amerikaner ihr Haus als Geldmaschine. Auch Banken, Anleger und Kreditvermittler verdienten daran prächtig.

Die für Hypothekenkredite geforderten Sicherheiten wurden immer weiter heruntergeschraubt. Schließlich gab es Darlehen ohne jede Garantien außer dem Haus selbst ("subprime"-Kredite). Irgendwann begannen wegen des Überangebots an Immobilien die Preise mancherorts zu bröckeln. Als erste Schuldner ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, kippte der Trend vollends.

Niemand überblickte die Risiken

Inzwischen hatten erfindungsreiche Wall-Street-Banken jedoch die Kredite zuhauf in komplizierten Wertpapierpaketen gebündelt - die dann wiederum zerstückelt und zu weiteren Paketen geschnürt wurden. Weil diese lange hohe Gewinne abwarfen, hatten Finanzhäuser weltweit zugegriffen - so auch deutsche Banken. Kaum einer durchschaute die Finanzprodukte und ihre Risiken. Als mit dem Häusermarkt auch der Handel mit diesen Papieren komplett zusammenbrach, war es längst zu spät: Am Finanzmarkt konnte keiner mehr dem anderen trauen, weil schlicht niemand mehr überblicken konnte, wer auf welchen Risiken sitzt.

Banken und Versicherer mussten die Werte in ihren Büchern berichtigen. So fielen seit Herbst 2007 weltweit Abschreibungen von inzwischen mehr als 500 Mrd. Dollar (389 Mrd. Euro) und riesige Verluste an. Die Konzerne mussten sich zum Überleben enorme Kapitalspritzen besorgen. Im Herbst wurden in vielen Ländern Rettungspakete für die Finanzbranche im Volumen von mehreren hundert Milliarden Euro und Dollar nötig.

Die Bankenkrise hatte auch dramatische Auswirkungen für den Rest der Wirtschaft. Verbraucher und Unternehmen kommen schwerer an Kredite heran und fahren ihre Ausgaben zurück. Dies beschleunigte das Abgleiten der Weltwirtschaft in eine Rezession. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Begonnen hat alles mit dem Traum vom Eigenheim von immer mehr US-Bürgern, der von der Politik zunächst massiv gefördert wurde.

Share if you care.