Zwei UN-Mitarbeiter sterben bei Mörserangriff in Bagdad

30. November 2008, 16:39
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15 weitere Personen durch Granatenbeschuss verletzt - Erneut Angriff auf "Grüne Zone" - Hauptquartier der Vereinten Nationen beschädigt

Zunächst war nicht klar, ob es sich bei dem lauten Knall am Samstagmorgen um eine Detonation oder um einen Donnerschlag eines Gewitters handelte, das der irakischen Hauptstadt den lange ersehnten Regen bringen sollte. Doch bald danach stiegen Rauchwolken aus der schwer bewachten Grünen Zone auf. Eine Mörsergranate war im UNO-Hauptquartier eingeschlagen - mit verheerender Wirkung: Zwei Mitarbeiter einer von den UN beauftragten Versorgungsfirma wurden getötet, 15 weitere Personen wurden verletzt. Das Gebäude erlitt erheblichen Sachschaden.

Dies ist bereits der dritte Anschlag auf die UNO-Vertretung in Bagdad. Bereits im August 2003 war das Hauptquartier, das sich damals noch im Osten Bagdads befand, Ziel eines Anschlags. 22 UN-Mitarbeiter wurden damals getötet, darunter Sonderbotschafter Sergio de Mello. Die UNO zog sich daraufhin aus dem Irak zurück. Erst Mitte 2005 richtete sie wieder eine Repräsentanz in der Grünen Zone ein, die neben der irakischen Regierung auch zahlreiche ausländische Vertretungen, vor allem die amerikanische und britische Botschaft beherbergt und lange Zeit als unverwundbar galt. Doch schon Ende des vergangenen Jahres, als der neue Generalsekretär Ban Ki-moon Bagdad besuchte und in der UN-Villa eine Pressekonferenz abhielt, schlug eine Mörsergranate in unmittelbarer Nähe ein. Die Fernsehbilder, in denen die Erschütterung den Putz von der Decke rieseln ließ und der Südkoreaner sich erschrocken hinter das Rednerpult duckte, gingen um die Welt.
Die irakische Nachrichtenagentur Aswat al-Iraq meldete, die Mörsergranate auf das UN-Quartier sei iranischen Ursprungs. Dies habe der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak nach einer entsprechenden Untersuchung bestätigt.

Der Anschlag kam zwei Tage nachdem das irakische Parlament mit Mehrheit das Abkommen zwischen den USA und dem Irak billigte, in dem ein Truppenabzug der Amerikaner bis Ende 2011 festgelegt ist. Schiitenführer Muktada al-Sadr sprach sich vehement dagegen aus. Seine 33 Anhänger im Parlament stimmten dagegen. Sie wollen die US-Soldaten sofort aus dem Land abziehen sehen. Nach der Abstimmung rief al-Sadr deshalb zu einer dreitägigen Protestaktion gegen das Abkommen auf. Allerdings mit friedlichen Mitteln, wie er durch seinen Sprecher betonen ließ. (Birgit Svensson aus Bagdad, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2008)

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