NGO-Aktivistinnen zweifeln an Islamisten-These

28. November 2008, 19:30
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Terror in Mumbai Teil "einer politischen Agenda"

Mumbai/Wien - Der Innenminister mag von einem Pakistani sprechen, der zum Terrorkommando in Mumbai gehörte und gefasst wurde, der Regierungschef im Bundestaat Maharaschtra, Vilasrao Deshmukh, auch von zwei Briten pakistanischer Herkunft: Indische NGO-Aktivistinnen, die auf Terror- und Gewaltfragen spezialisiert sind, wollen die These von islamistischen Angreifern in Mumbai nicht recht glauben. "Jeden Monat gibt es Anschläge in Indien, und jedes Mal bekommen sie das Etikett einer islamistischen Gruppe. Es ist so leicht", sagt Hasina Kharbhih. Sie leitet eine NGO in Meghalaya, im Nordosten Indiens, und ist dieser Tage in Wien zur Gründung eines internationalen Frauennetzwerks gegen Gewalt.

Auch Astha Kapoor, eine junge Bürgerrechtlerin aus Delhi, nimmt den Medien und den Ministern nicht die schnelle Schuldzuweisung an Muslimextremisten ab. Sie vermutet eine "größere politische Agenda" hinter dem Terror in Mumbai, einen sorgfältig geplanten Angriff nur Monate vor den indischen Parlamentswahlen. Die Armee sei so langsam vorgerückt, dass die Opposition, die Hindu-Partei BJP, genug Gelegenheit hatte, der Regierung Versagen im Angesicht des Terrors vorzuwerfen.

Muslime eingeschüchtert

Kapoor wie Kharbhih berichten von Frustrationen und Einschüchterungen der Muslime in Indien. "Es ist einfach für die Polizei, wahllos junge muslimische Jugendliche herauszugreifen", meint Kapoor mit Blick auf die Razzien der Sicherheitskräfte nach den Anschlägen in ihrer Heimatstadt Delhi im vergangenen September. Mehr als 30 NGO-Aktivistinnen aus Asien, Afrika, Nahost und Südamerika gründen an diesem Wochenende in Wien das Netzwerk "Save" ("Sisters against violent extremism"), ein Initiative von "Frauen ohne Grenzen" von Edith Schlaffer. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.11.2008)

 

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