"Aids bleibt Herausforderung"

30. November 2008, 19:02
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Rotes Kreuz, Kindernothilfe, Menschen für Menschen für Menschen und GEZA zum Welt-AIDS-Tag über die Situation in Afrika - "Kinder sind die Leidtragenden"

Wien - "In der Humanitären Hilfe ist und bleibt HIV/AIDS eine große Herausforderung", sagt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember.

In manchen Regionen der Welt - etwa im südlichen Afrika, in Osteuropa und in Teilen Asiens - nimmt die Verbreitung der Krankheit zu. "Weltweit leben 33 Millionen Menschen mit HIV, 15 Millionen Kinder haben durch AIDS ihre Eltern verloren", verdeutlicht Kopetzky das Ausmaß der Krankheit. "In Staaten mit einer hohen Verbreitung der Krankheit sind ihre Auswirkungen katastrophal. Sie reichen von sinkenden Wachstumsraten, sinkender Produktivität bis hin zu einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems und des Bildungssystems.

AIDS ist eine Krankheit, deren humanitären Folgen weitaus mehr Menschen betreffen, als infiziert sind." Für Menschen, die an AIDS erkrankt sind, haben Naturkatastrophen wie Überflutungen oder tropische Stürme besonders dramatische Auswirkungen. Einerseits kann in solchen Krisensituationen ihre medizinische Versorgung nicht gewährleistet werden, andererseits sind sie durch das geschwächte Immunsystem von unhygienischen Zuständen - z.B. verschmutztem Trinkwasser - stark gefährdet.

Waisen müssen für Familien sorgen

Von weltweit 40 Millionen mit dem Virus infizierten Personen leben rund zwei Drittel in Afrika, obwohl auf dem Kontinent nur 10 Prozent der Weltbevölkerung leben. Etwa die Hälfte der Waisen in Südafrika haben ihre Eltern aufgrund von AIDS verloren. 2.500 südafrikanische Teenager werden über HIV und AIDS informiert. So die Angaben der Non-Profit-Organisation GEZA (Gemeinnützige Entwicklungszusammenarbeit GmbH).

Allein 1,4 Millionen Äthiopier sind offiziell mit HIV infiziert - die Dunkelziffer ist laut der Organisation Menschen für Menschen weit höher. Unwissenheit und fehlende medizinische Versorgung werden durch Armut weiter verschärft." Die Immunschwächekrankheit trifft vor allem junge Erwachsene und damit den leistungsfähigen Teil der Gesellschaft. Sterben die Eltern, hinterlassen sie ihre armen Kinder und unversorgte Großeltern. Die Waisen müssen fortan für die Familie sorgen. Für die Schule als Grundlage dafür, den Armutskreislauf zu durchbrechen, bleibt keine Zeit", so Andrea Wagner-Hager, Geschäftsführerin von Menschen für Menschen Österreich.

Die Zahl der Kinder, die durch Aids einen Elternteil verloren haben, habe sich seit 2001 in Äthiopien auf heute 650.000 verdoppelt. 35 Prozent aller Neuinfektionen gehen auf die Mutter-Kind-Übertragung zurück. Ohne die entsprechende Behandlung mit Medikamenten springt das HI-Virus während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen auf das Kind über. In Äthiopien sind heute rund 92.000 Kinder mit dem Virus infiziert. Weltweit starben 2007 laut UN 270.000 Kinder an Aids, 740 am Tag - ein Großteil davon in Afrika.

"Patente entscheiden über Leben von Kindern"

Die Kindernothilfe fordert unterdessen ein Einlenken der Industrie in Bezug auf die Aids-Medikamente. "Neue Patente werden ab 2009 die Produktion von bezahlbaren Medikamenten für an Aids erkrankte Kinder gefährden. Die so genannten Generika aus Indien, also günstig hergestellte Nachahmer-Produkte, versorgen jetzt noch große Teile Afrikas. Das könnte sich dramatisch ändern, wenn die drei Pharma-Unternehmen Gilead, Abbott sowie Bristol-Myers 2009 ihre Patentrechte durchsetzen", heißt es in einer Aussendung.

Das Lebensrecht für Kinder müsse aber in jedem Fall über dem Patentrecht der Unternehmen stehen, so Frank Mischo, HIV/Aids-Experte der Kindernothilfe. Mischo ist seit Jahren am Dialog mit der Pharmaindustrie beteiligt. Er schätzt: "Bis zu 250.000 erkrankte Mädchen und Jungen im östlichen und südlichen Afrika könnten von der medizinischen Versorgung mit Aids-Medikamenten abgeschnitten werden, wenn die Unternehmen auf ihre Patentrechte pochen" Ohne die günstigen Generika aus Indien sei die Behandlung in vielen Teilen Afrikas einfach zu teuer."

Projekte zur Gesundheitsförderung

Auch für die Prävention versuchen verschiedene Organisationen vieles zu tun. Das Österreichische Rote Kreuz arbeitet derzeit an einem Projekt zur Gesundheitsförderung in Mosambik. "Teil dieses von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit geförderten Projekts ist die HIV-Prävention", so Kopetzky. "Gerade in Gegenden, in denen der Wissensstand über HIV und AIDS gering ist, ist es wichtig, die Bevölkerung auf verschiedenste Wege darüber zu informieren, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können."

Im Sinne von "Hilfe zur Selbsthilfe" führt die GEZA gemeinsam mit lokalen Partnern derzeit 14 Entwicklungsprojekte in Afrika und Zentralamerika durch. Wer diese Projekte unterstützen möchte, kann das mit einem Online-Einkauf über die GEZA-Website ganz einfach und ohne Zusatzkosten tun. Mit dem Button 'Shop2help' wird man mit über 70 beliebten Online-Unternehmen wie amazon oder ebay verlinkt und kann dort wie gewohnt einkaufen. Jeder Einkauf bringt eine Spende, die GEZA für benachteiligte Menschen in Entwicklungsländern einsetzen kann. (red)

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