ORF-Journalisten befürchten Aushungern der Redaktionen

28. November 2008, 14:14
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Redakteursrat fordert Konzepte zur Stärkung des Unternehmens - Öffentliche Diskussion gefordert - Stiftungsräte zeigen grundsätzlich Verständnis für Sparkonzept

Die ORF-Redakteure, die sich am Freitag zu den von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz angekündigten Einsparungen und Strukturmaßnahmen zu Wort gemeldet haben, befürchten eine "Aushungerung redaktioneller Bereiche". Sie kritisierten in einer Aussendung, dass Wrabetz "zwar ausführlichste Vorstellungen zum Abbau hunderter Mitarbeiter und zur Verschlechterung von Verträgen - ausgenommen Direktorenverträge - präsentiert, aber keinerlei Vorstellungen zu grundsätzlichen Entwicklungen des Programmangebots".

Der ORF befinde sich in einer "sehr, sehr ernsten Situation" und daher seien "Konzepte zu dessen Stärkung und nicht zu dessen Schwächung gefragt", findet der Redakteursrat des ORF. Die ORF-Journalisten wollen daher "alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, dass umgehend eine breite, inhaltsreiche Diskussion zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Unternehmen, mit dem Stiftungsrat, mit dem Gesetzgeber und vor allem auch mit dem ORF-Publikum geführt wird".

Würden die Vorschläge der Geschäftsführung realisiert und die Redaktionen weiter ausgehungert werden, "dann wäre der ORF nicht mehr in der Lage seine demokratiepolitischen und für die nationale Identität dieses kleinen Landes unverzichtbaren öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben zu erfüllen", fürchtet der Redakteursrat.

Stiftungsräte zeigen grundsätzlich Verständnis für Sparkonzept

Bei den ORF-Stiftungsräten stößt das von Generaldirektor Alexander Wrabetz präsentierte Struktur- und Sparpaket grundsätzlich auf Verständnis. Für Karl Krammer, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, fehlt allerdings noch der größere visionäre Rahmen. Man müsse die Einzelmaßnahmen in ein Zukunftskonzept einbetten. Es gehe darum, zu definieren, wo der ORF in drei oder fünf Jahren stehen will, findet auch der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl.

Wenn die Strukturmaßnahmen nicht so rasch wie möglich umgesetzt werden und Wrabetz dazu nicht auch die Rückendeckung der Politik bekommt, brauche man sich um die Zukunft des ORF keine Sorgen mehr zu machen, denn "dann gibt's das Unternehmen in fünf Jahren so nicht mehr", meinte die grüne Stiftungsrätin Monika Langthaler. Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises", hält "Reformen und Spargesinnung für richtig". Allerdings seien die Ankündigungen von Wrabetz "kein auf Durchführbarkeit geprüftes Strukturkonzept".

"'Change'-Prozess in Gang setzen"

Wrabetz' Ankündigung, er forciere einen Wegzug vom Küniglberg und eine Zusammenlegung der verschiedenen Wiener ORF-Standorte, stieß bei Krammer und Langthaler auf Zustimmung. Krammer meinte, die Planung eines solchen Umzuges führe dazu, "dass man eine Vision für das Unternehmen entwickeln muss. Für die Beschäftigten würde das einen 'Change'-Prozess in Gang setzen", glaubt Krammer. Grundsätzlich gelte es, den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, sind sich der rote und die grüne Rätin einig. Langthaler plädierte darüber hinaus auch für die Verkleinerung des Stiftungsrates.

Der Stiftungsratsvorsitzende, Klaus Pekarek, wollte sich am Freitag noch nicht zu den Ankündigungen des ORF-Generals äußern. Er werde sich die Unterlagen "im Detail zu Gemüte führen und im Rahmen des Finanzausschusses am Donnerstag besprechen". Für Küberl war es "klar", dass der ORF nun derart drastische Maßnahmen treffen muss. "Je später Maßnahmen gesetzt werden, desto umfangreicher sind sie. Und die Debatte um Sparmaßnahmen geht schon ein gutes Jahr." Die Maßnahmen im Personal- und Strukturbereich, die jetzt vorgelegt wurden, seien "unbedingt notwendig".

Medwenitsch wies darauf hin, dass vor allem die Personalmaßnahmen noch ORF-intern verhandelt werden müssen. "Und ich befürchte, dass Wrabetz das Friendship-Ticket der Belegschaftsvertretung gestern verspielt hat", so Medwenitsch mit Blick auf den Eklat zwischen dem Zentralbetriebsrat und der Geschäftsführung am Donnerstag. Einige Stiftungsräte kritisierten auch, dass sie erst rund 24 Stunden nach der ORF-Belegschaft informiert wurden. Die meisten von ihnen hatten am Freitagmittag von der Geschäftsführung noch keine Unterlagen erhalten. (APA)

 

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    Bei den ORF-Stiftungsräten stößt das von Generaldirektor Alexander Wrabetz präsentierte Struktur- und Sparpaket grundsätzlich auf Verständnis. Der Redakteursrat fordert Konzepte zur Stärkung des Unternehmen.

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