Vatikan prüft Papst-Besuch im Heiligen Land

27. November 2008, 14:10
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Reise möglicherweise schon im Mai - Israelischer Botschafter: Keine diplomatischen Bedingungen

Vatikanstadt - Der Vatikan prüft derzeit auf diplomatischer Ebene die Möglichkeit einer Reise von Papst Benedikt XVI. in das Heilige Land im Lauf des kommenden Jahres. Das hat der vatikanische Pressesaal am Donnerstag laut Kathpress bestätigt. Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete ihrerseits am Donnerstag von einem Reisetermin im Mai. Beobachter hielten eine Visite auch im Spätherbst für wahrscheinlich, schrieb Kathpress. Im März reist Benedikt XVI. nach Angola und Kamerun.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte am Donnerstag, es seien diplomatische Kontakte im Gange, um einen eventuellen Besuch des Papstes in Israel vorzubereiten. Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechay Levy, sprach laut Kathpress von einem Ereignis von großer "historischer, religiöser und moralischer Dimension". Für die Reise des Papstes gebe es keinerlei diplomatischen Bedingungen. Benedikt XVI. werde selbstverständlich auch palästinensischen Boden betreten. "Ich kann mir nicht denken, dass er in Jerusalem sein wird und nicht auch in Bethlehem", sagte Levy. Die Zusammenarbeit zwischen israelischen und palästinensischen Behörden werde sich aber auf technische Fragen beschränken.

Israelischer Botschafter: Keine diplomatischen Bedingungen

Der Papstbesuch werde dem vatikanisch-israelischen Verhältnis eine neue politische Dimension verleihen, meinte der Botschafter gegenüber Kathpress. Während Paul VI. 1964 vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen ins Land gereist sei und Johannes Paul II. seinen Besuch im Jahr 2000 als Pilgerfahrt deklariert habe, komme Benedikt XVI. als erster Papst auf offizielle Einladung des Staates Israel. Die Frage nach konkreten politischen Erwartungen an den Besuch wies Levy als unangemessen zurück. Die Papstreise könne jedoch "vielleicht eine klimatische Rolle" bei der Lösung offener Fragen zwischen Israel und dem Vatikan im juridischen und wirtschaftlichen Bereich spielen. "Wir machen Fortschritte", sagte Levy im Blick auf die Anschlussverhandlungen zu dem 1993 getroffenen Grundlagenabkommen.

Der israelische Präsident Shimon Peres hatte erklärt, ein Nahost-Besuch des Papstes wäre für die Friedensbemühungen förderlich. Die israelische Regierung hatte auch angedeutet, dass sie sich von einem Papstbesuch starke Impulse für den Tourismus erwarten würde. Der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, hatte dagegen betont, ein Besuch des Kirchenoberhauptes im Heiligen Land sei erst dann möglich, wenn es große Fortschritte im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern geben würde. Auch müsse sich die Situation der Christen in Israel deutlich verbessern.

Verstimmung

Irritationen hatten auf jüdischer Seite zuletzt die Karfreitagsfürbitte in dem vom Papst wieder zugelassenen vorkonziliaren "alten Usus" ("Lasset uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchtet, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen") und die Würdigung von Papst Pius XII. anlässlich seines 50. Todestages durch Benedikt XVI. erzeugt.

Im Jahr seiner Papstwahl 2005 hatte Benedikt den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas im Vatikan empfangen, der dabei eine Einladung ausgesprochen hatte. Bei einer Zusammenkunft mit den Großrabbinern von Israel, Yona Metzger und Shlomo Amar, hatte der Papst auf die unbefriedigende Lage der Christen im Heiligen Land hingewiesen. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel waren im Sommer 2005 auf einem Tiefpunkt, nachdem die damalige Regierung von Premier Ariel Sharon dem Papst vorgeworfen hatte, nicht israelischer Terroropfer gedacht zu haben.

Der Vatikan verwies seinerseits auf israelische Völkerrechtsverstöße in besetzten Gebieten. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hatte den Bau der israelischen Sperranlage im besetzten Westjordanland kritisiert, der damalige Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hatte den Sperrwall als "unmoralisch" und "zerstörerisch" bezeichnet. Der Heilige Stuhl hat immer wieder eine internationale Garantie für den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem gefordert. (APA)

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