Trikotsponsor-Wunder Niederlande

27. November 2008, 13:17
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Die "Eredivisie" liegt bei den Einnahmen überraschend gleichauf mit Spaniens Liga - Deutschland top - Bayern München hat bisherigen Spitzenreiter Manchester United überholt

Erstmals in den vergangenen zehn Jahren sind die Gesamteinnahmen für Trikotsponsoring in den sechs Topligen Europas deutlich zurückgegangen. Die Vereine aus Deutschland, England, Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden lukrieren in der Saison 2008/09 gemeinsam 393,2 Millionen Euro. Etwas überraschend hat sich die Deutsche Bundesliga wieder an die Spitze der Rangliste katapultiert, wenngleich sie die Position zu einem guten Teil dem schwachen britischen Pfund verdankt. Die Gesamteinnahmen beim Führenden im Trikotsponsoring haben erstmals die 100 Millionen-Euro-Schallmauer übersprungen und belaufen sich auf stolze 102,9 Millionen Euro, ohne Erfolgsprämien, so das Ergebnis einer Studie des Kölner Marktforschungsinstituts sport+markt.

Der FC Bayern München hat mit 20 Millionen Euro von T-Home die Nase unter allen europäischen Vereinen vorn, Manchester United wurde von der Spitze verdrängt. Der Aufschwung in Deutschland konnte jedoch nicht die geringeren Erlöse aus anderen Ländern wettmachen. Der Rückgang der Gesamteinnahmen im europäischen Trikotsponsoring begründet sich durch schlechtere Verträge und teilweise komplett ausgebliebene Kontrakte, vor allem in Spanien und England.

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Einen regelrechten Boost hat die niederländische Liga erhalten. Ein Versicherungsunternehmen zahlt Ajax Amsterdam jährlich 10 Mio. Euro für den begehrten Werbeplatz. Insgesamt erwirtschaften die Clubs der Eredivisie 42,1 Mio Euro. mit Trikotsponsoring. Im Ranking des "European Jersey Report" liegt man damit praktisch gleichauf mit den spanischen Erstligavereinen (42,2 Mio. Euro), wobei hier zu berücksichtigen ist, dass der FC Barcelona mit seinem "Trikotsponsor" UNICEF überhaupt keine Erlöse verbucht.

Trotz des Rückgangs der Einnahmen befürchtet sport+markt-Vorstand Hartmut Zastrow mittelfristig kaum Auswirkungen der Krise auf den Fußball. "Fußball bleibt eine Topplattform. Die Sponsoringpartnerschaften werden sich auf andere Branchen verlagern. Wenn Finanzunternehmen, oder wie in Spanien die Bauindustrie, sich zurückziehen, schließen andere Branchen nur zu gerne diese Lücke. Beispielsweise die Sportwettenanbieter", glaubt der deutsche Sponsoringberater und Marktforscher. (Thomas Hirner, derStandard.at, 26. November 2008)

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    Trikotsponsor Aegon investiert zur Freude von Oleguer Presas (li) und Coach Marco van Basten (re) kräftig in Ajax Amsterdam.

  • Der FC Barcelona lukriert von seinem "Trikotsponsor" UNICEF natürlich keine Einnahmen.
    foto: derstandard.at/hirner

    Der FC Barcelona lukriert von seinem "Trikotsponsor" UNICEF natürlich keine Einnahmen.

  • Gesamteinnahmen durch Trikotsponsoring in den sechs Topligen Europas.
    grafik: sport+markt

    Gesamteinnahmen durch Trikotsponsoring in den sechs Topligen Europas.

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