Die Ernüchterung folgt auf den Krieg: "Grace is Gone"

26. November 2008, 19:30
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John Cusack als Witwer, der seine Ideale verliert, in einem Irak-Drama

Das US-Erzählkino verfügt derzeit nur über zwei Varianten, um von den Verwerfungen des Irakkriegs zu erzählen: Action-betonte Counterterror-Dramen wie der letzte Woche gestartete Body of Lies oder vergleichsweise leise Melodramen wie Grace is Gone, die sich mit den Angehörigen von Soldaten, den Daheimgebliebenen befassen.

Der Ansatz von Regisseur James C. Strouses ist insofern ungewöhnlich, als er mit Stanley Philipps (John Cusack) einen Jedermann in den Mittelpunkt rückt: Patriot, Familienvater, untere Mittelschicht. Als er vom Tod seiner Frau im Irak erfährt, bricht er mit seinen Töchtern auf eine Fahrt in einen entfernten Vergnügungspark auf - unfähig, den Verlust zu kommunizieren. Grace is Gone ist ein Roadmovie der langsam einsickernden Ernüchterung, das durch ein uniformes Amerika führt und dabei ein wenig zu naheliegende Manöver wählt, um mit seiner Kritik am Status quo zu punkten.

Schwarze Kunst und Spurensuche
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    foto: senator
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