Altmodisch, langsam, aber gut

26. November 2008, 18:32
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Das Grazer Feuilletonmagazin "schreibkraft" feiert mit "alles bestens" seine erste Dekade

Graz - Ja, man sei "langsam und altmodisch" - und stehe dazu, so Werner Schandor, der Herausgeber des Grazer Feuilletonmagazins schreibkraft bei der Pressekonferenz anlässlich des zehnten Geburtstages des zwei Mal im Jahr erscheinenden Heftes. Man behalte auch das quadratische Format bei, obwohl dieses für Morawa "ein Argument ist, uns nicht ins Sortiment aufzunehmen" .

Dass man die ausschließlich schwarzweiß gedruckten Seiten mit Texten, "die irgendwo zwischen Literatur und Journalismus" angesiedelt sind und Literatur von hoher Qualität anfüllt, ist der Redaktion, der neben Schandor Hermann Götz, Hannes Luxbacher, Andreas Peternell und Robert Hutter angehören, wichtiger als Aktualität. Den Abonnenten, zu denen auch die Bibliothek der Harvard University und die deutsche Bibliothek in Leipzig zählen, offenbar auch.

So bekam man über die Jahre - damals noch unentdeckte Literaten - wie Ann Cotton oder Stefan Schmitzer genauso als beherzte Schreiber wie Peter Rosei oder Friederike Mayröcker. Mit Wolf Haas gab es 2004 das viel beachtete Sonderheft "brennermania" .

Erste Stadtleserin

So war es auch nicht schlimm, dass man mit dem aktuellen Heft Nr. 17, das den programmatischen Titel "alles bestens" trägt, just am vorläufigen Tiefpunkt der Finanzkrise erscheint. Dieses wird nun am  Donnerstag bei einer Geburtstagsfeier im Forum Stadtpark präsentiert - genau wie die erste Stadtschreiberin der Welt.

Zum runden Geburtstag wollte das von Bund, Land und Stadt Graz subventionierte Medium nämlich ein Stipendium ausschreiben. Da es aber Stadtschreiber schon wie Sand am Meer gibt, bat man Leute um ihre Leselisten. Aus rund 60 Einsendungen, die sogar aus Australien eintrudelten, wählte man die Frankfurter Literaturwissenschafterin Beate Tröger, die "mit ihrem fast schon literarischen Motivationsschreiben" überzeugte, so Hannes Luxbacher.

Tröger darf nun drei Wochen im Grazer Literaturhaus wohnen und nach Herzenslust ihre Leseliste abarbeiten. Auf der stehen unter anderem Michael Stavarics Magma & Terminifera (Residenz), Isabella Husers Das Benefizium des Ettore Camelli (Bilger Verlag) und Iris Hanikas Treffen sich zwei (Droschl).

Huser wird auch beim Fest im Forum, wo die schreibkraft 1998 auch gegründet wurde, lesen, ebenso Mieze Medusa. Musik machen David Lipp & die Liebe. (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2008)

 


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